001_Köln – Alles dauert länger als man denkt – Kögel Ausbau

K_017 2011_08_23

„In vier Wochen hab ich den Wagen fertig. Auf jeden Fall!“ Glaubte ich im Mai 2011. So schwierig kann es ja nicht sein, ein schon umgebautes Wohnmobil einfach ein wenig seinen Wünschen anzupassen. Mein Vater hat gelacht. Jetzt weiß ich warum. Ein schlauer Projektmanager hat mir mal gesagt: „Für ein Projekt mache eine genaue Liste aller Dinge, die du tun willst, kalkuliere die Zeit für die einzelnen Aufgaben nicht zu knapp, plane Unvorhergesehenes mit ein, rechne dann alle Stunden zusammen. Das Ergebnis nimmst du dann mal Pi.  Genauso war es. – Silvi musste immer lachen, wenn ich: „Alles dauert länger als man denkt.“ sagte. Einfach, weil ich das so oft tat.

Was ich gemacht habe, ist dann auch kaum zu vermitteln, vor allem warum das alles so lange gedauert hat, verstehe ich im Nachhinein auch nicht. Waren es die über 50 Baumarktbesuche, die so in die Zeit gingen? Das Herumbasteln an schrägen Lösungen des Vorbesitzers? Auf kleinem Raum ist in so einem Postbus ja alles, was man in einer Wohnung auch hat. Und jedes Detail will durchdacht sein und dann auch noch gemacht sein.

Ich habe eine Liste mit Aufgaben, die über vier DIN A 4 Seiten ging abgearbeitet. Ich habe mir mit diversen Werkzeugen die unterschiedlichsten Verletzungen beigebracht. Habe vor einem Gewirr von Kabeln verzweifelt und geflucht, als ich versuchte die Elektroanlage, die der Vorbesitzer installiert hatte, zu verstehen. Und ich hab viel gelernt. Zum Beispiel, dass nicht alles auf Dauer hält, was man mit einer Klebepistole anklebt. Ein Schrank, den ich unter die Decke geklebt hatte, fiel herunter, als es etwas wärmer wurde. Schrauben geht nicht, sonst ist ein Loch in der Decke und es regnet rein. Aber es gibt Spezialkleber, die halten – zumindest bis jetzt.

Kurz: Es war anstrengend, aber hat sehr viel Spaß gemacht. Da ich jeden Abend das Resultat meiner Arbeit sehen konnte. – Das ist ja in meinem Beruf leider völlig anders. Da vergehen zwischen Loslegen und Wissen ob es sich gelohnt hat oft zwei Jahre oder mehr.

Was habe ich also gemacht – und ich will hier nur die Hauptsachen auflisten, sonst finde ich kein Ende. Ich habe all die Dinge herausgerissen, die mir von den Vorbesitzern im Inneren nicht gefielen: Das Bett, das so klein war, dass ich nicht mal quer drin schlafen konnte, den begehbaren Kleiderschrank, die Wand vor der Flügeltür hinten, 100kg Holz mit dem ein doppelter Boden in den Wagen gezogen worden war, so dass man kaum aufrecht stehen konnte.

Ich habe ein normales Bett eingebaut, genauso groß, wie in meiner alten Wohnung mit Kaltschaummatratze und Lattenrost. Vor allem ist es ein Bett, in dem man aufrecht sitzen kann, nicht so eine Schublade, so ein Alkoven, wie in vielen Wohnmobilen. Auch muss man nix klappen und schieben um sich mal hinzulegen. Das Bett ist – jederzeit. Genau wie zu Hause.

Unter dem Bett ist der Keller, in dem Vorräte, mein Rennrad, Grill, Tisch und Liegestühle, Wassertanks, Sprudelkästen und die Schublade mit dem herausziehbaren Klo sind.

Ich habe auf 1,90 x 3,60 Metern sogar eine Dusche eingebaut. Heißwasser macht der Gasboiler. Der Duschkopf ist gleichzeitig der Wasserhahn der Spüle nebenan. Die Dusche kann durch die Schubladenlösung in ein Klo verwandelt werden und durch ein Brett in eine Ablagefläche oder einen Meditationssitz.

Ich hab einen Schubladenschrank eingebaut, der aus Gewichtsgründen Plastikkisten aus dem Baumarkt als Schubladen hat. Ich hab neue Bezüge für die Sitzbänke am Tisch machen lassen, alles neu und hell gestrichen. Nein das mkit dem Streichen war ich nicht, das waren Silvi und dann nochmal mein Vater.

Wir haben die Flügeltüren hinten umgedreht, um die Fenster nach oben zu bekommen. Das war überraschend einfach und hat nur einen Tag gedauert. Ich habe überall LED Lampen eingebaut. Eine Rückfahrkamera, eine gute Anlage mit Lautsprechern vorn und Hinten. Unterwegs habe ich die Solaranlage noch um 250 WP auf ca 400 WP erweitert. Das ganze Dach ist jetzt voller Solarzellen.  Der Camper ist jetzt völlig autark, solange einigermaßen die Sonne scheint. Kühlschrank, 10 LED Lampen, Computer, Radio, TV, mein ganzer Strom kommt aus der Sonne – oder aus der Lichtmaschine, an die ich die beiden Gelbatterien zusätzlich angeschlossen habe.

Wir haben zwei neue Dachfenster eingebaut. (Seitz Heki) Und mittlerweile ist das Dach auch fast dicht. (Auf dem leicht durchhängenden Flachdach bildet sich bei Regen ein kleiner See. Irgendwann findet das Wasser seinen Weg durch den Einschnitt im Dach. Insgesamt ist das Auto innen größer, heller und bequemer geworden. Ich habe Wasserleitungen und Stromkabel neu verlegt, habe Böden eingezogen und einen großen Spiegel an die Schiebetür geklebt. (Nicht mit der Heißklebepistole…) Und ich habe 150 Detaillösungen entwickelt und gebaut, die das Leben im Kögel angenehm machen.

Das Ergebnis ist, dass ich nach über drei Monaten noch immer nicht das Gefühl habe, diese Reise ist anstrengend. Ich wohne in einem gut funktionierenden Zuhause. Ich kann nur jedem, der so etwas vor hat, empfehlen, sich einen 308er Mercedes mit Kögelaufbau zu kaufen. Für ein Haus auf Rädern hat der Wagen die ideale Form. Die große Schiebetür ist praktisch. Wenn sie auf ist habe ich vom Tisch einen Panoramablick – gerade aufs Mittelmeer. Mache ich die Doppeltür hinten morgens auf, liege ich im Bett und kann in die Landschaft schauen. Der Raum hat angenehme Proportionen. Auch zu zweit wird es nicht zu eng.

Das Auto fährt sich besser als ein PKW. Der Wendekreis ist kleiner als bei einem VW Golf. Der Wagen ist gutmütig und robust. Ich bin durch die kleinsten Dörfer und über die schlimmsten Schlaglochpisten gefahren. Alles kein Problem. Was die Postfahrer nicht kaputt kriegen, hält sehr sehr viel aus. Mit den 82 PS sind
105 km/h das Maximum an Geschwindigkeit, aber das macht nix. Man reist – man rast nicht. Bis zu 15 Prozent Steigung schafft das Auto, danach muss man aussteigen und schieben.

Ich brauche 12 Liter Diesel auf 100 km. Mit dem 100 Liter Wassertank kommen zwei Leute 3 bis 5 Tage lang aus. Der Kögel ist ein fahrbares Earth Ship. Ein schönes Zuhause. Hier eine Sammlung von Umbaufotos und ein Blick auf den Wagen, wie er heute aussieht.

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