010_Kassel – Dokumenta – Mach die Tür zu, es zieht

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Drei Tage in Kassel. Schöner Parkplatz – einfach eine Parklücke in einer Wohnstraße – ein paar Meter vom ersten Dokumentaort. Das Wichtigste zuerst: Hab sehr gut äthiopisch gegessen. Zweimal. Und die Dokumenta?  Ich bin Kunsthistoriker und deshalb darf ich das sagen: Soviel lieblosen Kunstschrott hab ich lange nicht mehr auf einem Haufen gesehen. Die ganze Dokumenta wurde von den Medien zu einem Großereignis gehypt und es ist dann für die meisten Leute nicht mehr möglich zu fragen: „Was soll der Quatsch?“

Wenn die Kuratorin meint, dass die größte und wichtigste Halle der Dokumenta dafür genutzt werden soll einen Luftzug auf 5000 qm Ausstellungsfläche zu präsentieren und sonst nix, dann sage ich, weil ich vom Fach bin und das darf: „Was soll der Quatsch?“ In einer Glasvitrine lag der Brief, in dem der Künstler seine Idee schilderte. Den Rest hat dann eine Firma erledigt, die gute Gebläse bauen kann. So kam man also in die Hauptausstellungshalle und es zog. Aha.

Und weiter? Die Idee passt auf einen Brief und ist an einem Abend in der Kneipe ausgeheckt. So war auf der Dokumenta sehr vieles. Man merkte, dass sich die Künstler keine Mühe gegeben hatten. Sich nicht mit der Sache, die sie machten, wirklich auseinandergesetzt haben. Mal schauen, mit wie wenig Fähigkeiten und Geist man durchkommt. Mir fiel der Spruch ein: „Man muss nicht nur nichts zu sagen haben, man muss auch unfähig sein, es auszudrücken.“

Dass wir nicht in einer Zeit leben, in der Künstler nix zu sagen haben, sieht man, wenn man sich ein paar Streetart Bilder anschaut. Auf der Dokumenta brachte es der Gehalt von 100 ausgestellten Werken nicht auf einen Banksy.

 

Zum Glück gab es ein paar Ausnahmen. Der Rumänische Künstler, der sich als Kind gewünscht hatte, Ritter zu sein, einen Modellhubschrauber zu haben und Schlagzeuger in einer Band zu sein und der das gesamte Gebrüder Grimm Haus mit Bildern und Objekten ausstattete, die dokumentierten, wie er den Traum wahrgemacht hat. Sehr witzig und vielschichtig. Ein Video zeigt Ihn, wie er in Ritterrüstung Schlagzeug spielt. Ein anderes, wie er an der Aufführung einer Ritterschlacht teilnimmt. Das Selbstportrait von ihm in Harnisch mit Hubschrauber gefiel mir am Besten.

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Viele der anderen Künstler auf der Dokumenta umgeben sich mit einem heiligen Ernst um die Leere, Langeweile und Lieblosigkeit ihrer Werke zu kaschieren.

Weitere Ausnahmen: Eine lange Collage aus Fotos, die jemand aus Life Magazinen der 50er bis 80er ausgeschnitten hatte und zu einem Gesteck aus Figuren zusammengebaut hatte.

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Ein Pavillon in dem es um Geld in Form von Zeiteinheiten ging. War aber mehr eine politische Idee.

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Der in Holz nachgedrechselte asiatische Sweatshop. Ein paar Pavillons in der Aue mit ein paar hübschen Ideen. Und ein Video dass an 4 Seiten einer Halle projiziert wurde, in der eine seltsame Maschine arbeitete.

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Mir gefiel das Bild eines Kind, dass auf stillgelegten Gleisen mit seiner Puppe spielte – sehr dramatisch, aber nicht Teil der Dokumenta

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und ein an die Wand gesprühter Spruch.

SAMSUNG

Hier noch ein paar Gute und ein paar klassische Ansichten…

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