015_Dresden Neustadt – Lebowsky & Waterloozähne

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Die Dresdener Neustadt haben die Briten und Amerikaner übersehen. In den angenehm verwahrlosten oder freundlich renovierten Altbauten haben sich Studenten, Partyvolk, Alternative, Künstler und insgesamt nette Menschen angesiedelt. Szeneviertel ist mir als Begriff zu 80er und zu Westdeutschland.

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Es ist auf jeden Fall viel los und bunt. Ich suchte und fand das von Harald und Jutta erwähnte Haus, das Musik macht, wenn es regnet. Ich aß neue deutsche Küche in einem Restaurant namens „Lila Sauce“ und hab gelernt, dass man Kopfsalat auch als warmes Gemüse kochen kann und dass es zu Spanferkel lecker schmeckt. Die Sauce war leider nicht lila.

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Dafür gab es im Lebowsky White Russian. Lange Diskussion mit einer reisenden Amerikanerin – die für jemanden aus der USA erstaunlich gut informiert war – unter anderem darüber, dass es mehr Spaß macht B-Städte zu besuchen, weil die vom Tourismus, dem großen Gleichmacher, noch nicht so aufgefressen worden sind. Lieber Olmütz als Prag. Ich kann dazu die Faustregel hinzufügen: Alle Orte in denen Bimmelbähnchen auf Gummireifen durch die Stadt fahren, soll man meiden.

Ein Barkeeper empfahl mir das Militärhistorische Museum zu besuchen.Und da das ein Szenebarkeeper war hab ich ihm geglaubt. Das Gebäude ist spektakulär. Ein klassizistischer Militärverwaltungsbau. Groß und stolz, den Daniel Liebeskind mit einem silbernen Keil zerspalten hat. Der Keil zeigt in die Richtung aus der die Amerikanischen und Britischen Bomber kamen. Oben im Keil kann man über Dresden schauen.

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Im Museum wurde die deutsche Militärgeschichte auf angenehm zurückhaltende Weise abgehandelt. Sympathisch fand ich auch, dass vor dem Museum ein original großer Leopard 2 Panzer stand, der allerdings aus Papier in Origami Technik gefaltet war. Da es geregnet hatte, hing die Kanone schon etwas schlaff herunter.

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Ich war mal in Leeds im Militärmuseum der Briten, dass nebenbei die Aufgabe hat, Rekruten anzuwerben. In Dresden konnte man nicht mit MG Nachbildungen schießen oder Langbögen ausprobieren. Aber ich hab ne Menge über die Wechselwirkung von Kultur und Krieg gelernt. Ich wusste noch nicht, dass die Unterhose eine militärische Erfindung war.

Eindrucksvoll waren drei 10 mal 10 Meter große Stücke von Straßenpflastern. Eins aus Dresden, eins aus der ersten polnischen Stadt die bombardiert wurde und eins aus Coventry, glaube ich. Das Dresdener Pflaster hatte alle paar Zentimeter kleine Krater, die von den Brandbomben stammten, die auf die Stadt prasselten.

Auch wenn es hier das erste U-Boot zu sehen gab, eine V2 Rakete, diverse Uniformen, Autos, Helme und Säbel. Den tiefsten Eindruck im ganzen Museum haben die Waterloozähne auf mich gemacht. Nach der Schlacht von Waterloo am 18. Juni 1815 lagen 47 000 tote junge Männer auf den Äckern. Plünderer haben ihnen die Zähne herausgebrochen und zu Gebissen verarbeitet, die bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts verkauft wurden. So ein Gebiss konnte man im Museum sehen.

http://www.dr-liethen.info/Geschichte/Neuzeit/19_und_20_Jahrhundert/19_und_20_jahrhundert.html

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