025_Barberino di Mugelio – Outlet & Outback

0136 2012_08_11

Ich verließ die Autobahn bei Barberino di Mugelio. Einem Örtchen an der Autobahn, dessen einzige Besonderheit ein riesiges Outletcenter ist. Hier hat man eine kleine toskanische Stadt gebaut. Mit Arkaden, Stadttor, schiefen Gebäuden, die aber ganz ohne Bewohner auskommt. Im wichtigsten Gebäude wohnt Gucci. Es ist wirklich hübsch gemacht, kann ich nicht anders sagen. Und es ist ganz fürchterlich. Für Besucher aus Asien ist das bei einem Toskanaurlaub einfach Muss. Und ich hätte mir eine Jeans gekauft, fast. War ja Ausverkauf. Hab es dann aber doch gelassen.

Als Kontrastprogramm beschloss ich ein Ökodorf zu besuchen, von dem in meinem Eurotopia Reiseführer stand, dass es ganz in der Nähe sein würde.  Niemand ging dort ans Telefon, aber auf der Website stand in italienisch eine Wegbeschreibung. Mit meinen Latein und Spanischkenntnissen konnte ich mir dann in etwa erklären, wo es langging:

Vom Outletcenter auf einer winzigen Brücke über die Autobahn und dann auf einer schmalen serpentinenreichen Straße in die Berge. So nah bei Florenz, doch fast komplette Wildnis. Irgendwann ging es dann auf eine Schotterpiste, die hier „weiße Straßen“ genannt werden. Hübscher Name. Irgendwann hingen die Bäume tief über der Straße, dass ich mich mit dem Auto am liebsten ducken wollte. Dann ging es so steil bergab, dass ich ausstieg und überlegte umzukehren. Doch fürs Wenden war es zu eng.

Ich kam zu einem Gehöft auf dem struppige Bauern Pfauen fütterten und mit Saatgut hantierten und dachte, ich wäre da. Aber nein, ich sollte den kaum noch erkennbaren Feldweg noch 2 km bergab fahren, an einem weiteren Bauernhof vorbei und dann nach noch einmal einem Kilometer käme eine Kurve in der viele Autos parkten. Von dort aus sollte ich zu Fuß den Berg herunterlaufen. Weiter unten am Steilhang wäre das Ökodorf. Da ich jetzt schon so weit gefahren war, wollte ich nicht umkehren. Am nächsten Bauernhof hörten die Stromleitungen auf, die weiße Straße war aber noch befahrbar. Und wirklich. In der Kurve parkten etwa 10 Autos über einem Tal, das an allen Seiten bewaldet war, ohne Zeichen von Zivilisation. Ich lies den Kögel stehen und lief einen Ziegenpfad herunter der durch ein paar verfallene Steinhäuser führte. Sie waren vor Jahrzehnten von armen Bauern verlassen worden. Ein kleines Ruinendorf verstreut über den Hang. Doch ich war noch immer nicht am Ökodorf angekommen. Das lag noch tiefer an einem noch steileren Hang und verteilte sich über kleine Terrassen, die im letzten Jahrhundert wohl mal von Bauern bearbeitet wurden.

Hier und da standen Zelte herum. Ein Haus aus Lehm und Stroh gebaut. Dann sah ich Leute. Auf einem an den Hang gebauten Podest standen sechs Leute um einen grob gezimmerten Tisch und diskutierten über einem Plan auf dem Tisch. Stichworte wurden auf ein Flipchart gemalt. Stimmung wie an der Uni. Obwohl ich unangemeldet kam und mitten in ein Seminar für Permakultur-Lehrer platzte wurde ich herzlich willkommen geheißen.

Normalerweise wohnen im Basilica genannten Ökodorf nur eine Handvoll Leute. Ganz ohne Strom. Mit Quellwasser und mit dem Allernötigsten. Im August ist das bestimmt noch abenteuerlich. Wie es wohl im November ist? Ich wurde von einem netten Menschen herumgeführt, sah eine Trimm-dich-Waschmaschine und einen Pizzaofen in Froschform. Beim Abendessen, zu dem ich eingeladen wurde, habe ich mit zwei Italienern gesprochen, die Kurse in Permakultur gaben.

Nette Menschen, bodenständig, lustig. Die Leute waren mir vor allen deshalb sympathisch, weil über dem Küchentresen ein Schild hing auf dem Stand: „Wer keine Spaß hat, kriegt nix zu essen.“ Abends machten trafen sich die Seminarteilnehmer zu einem Improvisationstheater, bei dem es hauptsächlich darum ging, sich über Ökos und Permakultur Marotten lustig zu machen. Sind es die Italiener insgesamt, oder gerade diese Leute. Es war großes Kino. Selbst ich durfte mitspielen, als ein Amerikaner, der nix verstand. Ich blieb zwei Tage, dann zog ein Gewitter auf und ich hatte Angst, dass ich die weiße Straße nicht mehr hochkommen würde, wenn es zu nass würde. Also fuhr ich ab.

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