038_Sticciano – Elba, Zauberwald, Eigene Tomaten & General Mille Bacci

0309 2012_09_12

Und dann meldet sich Le doch. Le ist vor ein paar Jahren von Köln nach Italien ausgewandert. Lebt jetzt in Apulien und ist gerade zur Weinernte in Bertinoro in der Emiglia Romana. Ich hatte mich bei Ihr gemeldet, nachdem ich in der Toskana angekommen war. Aber die Handynummer war veraltet und in die Mail hat sie dann erst nach drei Wochen geschaut. Da war die Freude dann um so größer, noch etwas von Le zu hören, ein paar Tage später wäre ich in Frankreich gewesen.

So treffen wir uns in Grossetto. Der Bahnhof von Grossetto liegt direkt neben dem Lidl. Wir beschließen direkt aufs Land zu fahren und landen in Sticcianao, einem Bergdorf mit 40 Einwohnern, etwa 30 km von der Küste gelegen, aber so hoch, dass man doch das Meer sehen kann und sogar die Insel Elba in 70km Entfernung. Wir finden einen Parkplatz mit spektakulärer Sicht mitten im Dorf, essen gut im Restaurant und machen am nächsten Tag eine Wanderung durch einen Zauberwald. Korkeichen. Le ist sehr naturverbunden. Zeigt mir wo Kapern an steilen Mauern wachsen, sammelt wilden Salat und Rosmarin. Auf dem Rückweg nach Sticciano finden wir ein nicht gut abgeerntetes Tomatenfeld. Unter liegengelassenen Sträuchern hängen büschelweise Tomaten. Sehr leckere Tomaten. Wir sammeln etwa 5 kg davon. Das Abendessen ist gesichert.

Im Dorf Neu Sticciano machen wir eine Rast, um uns auf die 5 km Bergauf vorzubereiten. Wir trinken ein Bier, als uns eine muntere 85 jährige mit wenigen Zähnen anspricht, woher wir kommen. „Ah, Deutschland!  Sie wollte doch immer so gern nach Berlin, die Museen dort anschauen, quelle Miseria.“ – „Irgendwann fängt sie an, vom Krieg zu erzählen. Als Deutsche hört man im Ausland solche Geschichten ja meist mit einem verlegenen Grinsen an. Hier war aber ausnahmsweise mal nicht von Gräueltaten die Rede. Sie hatte eine Bar und die deutschen Soldaten tranken gern Wein. Als dann die Front anrückte, wurde ein schwer verletzter deutscher General ins Dorf gebracht. Aus Mangel an Verbandsmaterial hätte man ihn mit frischen Kinderwindeln verbunden. Auf denen stand am Rand immer wieder „Mille Bacci“. – Bis heute wird in Sticciano die Erinnerung an General Tausendküsse wachgehalten.

Die nette Frau des Restaurantchefs nimmt uns im Auto mit auf den Berg.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s