043_Monteloro – Wasser, Schloss, Berge & Bremse

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Das nächste Problem war nicht so einfach zu lösen. Mein Wassertank läuft beim Betanken an einer Stelle über, wenn man nicht rechtzeitig das Wasser abdreht. Das kleine Problem: Die Stelle hab ich nicht gefunden, ich sah es immer nur unter den Tank tropfen und hab mich gewundert. Das große Problem: Das Wasser lief in den Innenraum und sickerte unter das PVC auf dem Boden, durch die Pressplatte und das Styropor bis auf den eigentlichen Wagenboden und blieb dort. Ich hab lange nix gemerkt, bis ich im Auto immer niesen musste und die Nase zu hatte. Bin gegen Schimmel allergisch. Hob das PVC an, darunter war alles schwarz und grün. Zwei bis drei Tage habe ich das noch verdrängt, aber es half nix. Ich musste im ganzen Wagen den Boden raus reißen.

Dazu musste ich meinen Medici Blick verlassen. Das erste was ich von Florenz sah, war das Verkehrschaos. Die Leute fahren hier wie die Irren und es ist noch nicht mal Süditalien. Der Fahrstil ist egoistisch und nicht kooperativ, wie meistens in Deutschland. Deshalb kommen alle langsamer voran. Florenz hat einen großen Obi. Der Obi sieht genauso aus, wie in Deutschland. Schon seltsam, dass man im Obi und bei Lidl Heimatgefühle bekommt. Aber mir war es recht, denn so konnte ich in einer Stunde alles kaufen, was ich brauchte. Dann holte ich noch Le an einem Vorortbahnhof von Florenz ab, wir wollten ein nettes Wochenende verbringen. Le meinte aber, dass es doch besser wäre, zuerst den Wasserschaden zu reparieren. Wir fuhren in ein Dorf außerhalb von Florenz, übernachteten vor einer Kirche, in der Petraca auch schon mal zu Besuch war.

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Als wir am nächsten Morgen eine Frau fragten, wo wir denn wohl einen Ort mit Wasser und Strom finden könnten, bot sie uns spontan an, zu Ihr zu kommen. Vorher hatten wir noch Zeit, uns ein verfallenes Herrenhaus anzuschauen. Die ganze Gegend hinter Fiesole ist eingezäunt und überall stehen prächtige Herrenhäuser. Reichtum, der sich seit der Renaissance vererbt hat. Die nette Passantin wohnte auch in einem schönen Haus mit Park. Wir hatten von 11 bis 14 Uhr Zeit und ich wirbelte los, um das Problem zu lösen: Erst alles ausladen, dann alles raus reißen, dann alles trocken machen, dann das Leck finden. War ganz einfach – der 2. Tankverschluss aus dem die Wasserleitung kommt. Dann alles zuschneiden.

An dieser Stelle muss ich betonen, dass mein Vater völlig recht hatte und es richtig war, die Stichsäge mitzunehmen. Ja, ich wollte das vorher nicht. Hab nicht geglaubt, dass ich unterwegs eine Stichsäge brauchen würde. Wer denkt denn an sowas? Jetzt freute ich mich, die Sitchsäge eingepackt zu haben, wenn auch widerstrebend.

Merke: Man ist erwachsen, wenn man etwas tut, obwohl es einem seine Eltern empfohlen haben.

Mit der Stichsäge konnte ich alles gut zusägen und die Böden einlegen. Le ist übrigens richtig gut in handwerklichen Sachen. Danke für die Hilfe und Geduld.
Den Rest des Tages verbrachten wir auf einer Wiese. Bis 20 Uhr hatte ich alles wieder im Auto. Danach kochte Le für uns und wir diskutierten bis spät in die Nacht bei Wein und Bier.

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Am nächsten Tag wollten wir uns eine berühmte Medici Villa anschauen. Das Navi schickte uns über eine winzige Straße mit spektakulärem Blick auf den Dom von Florenz. Die Straße wurde immer steiler. Bis 15 Grad schafft der Kögel. Danach blieb das Auto einfach stehen. Ich gab Gas im 1. Gang. Nichts ging mehr. Wunderschöne Landschaft aber die kleine Straße mit 25% Steigung ließ uns nicht weiterkommen. Das wars.

Vor uns ein hysterisch hupender Italiener, der uns entgegenkam und an uns vorbeiwollte. – Ich war kurz davor hinzugehen und ihm zu sagen: “ Ich hupe für Sie weiter, Ssie wenden bitte mal den Lieferwagen, ohne vorwärts fahren zu können und ohne Platz rechts und links.“ Mein Italienisch ist aber nicht so gut.

Mit ein paar Schrecken ging es dann doch und ich wendete in der Einfahrt eines verdutzten Villenbesitzers. Und man glaubt es kaum: Schieben hilft. Die leichte Le schob ein bisschen und das half für ein paar Meter.

Den Berg runter hab ich sehr viel gebremst, ohne die Motorbremse zu nutzen. Und im Tal ging auf einmal die Bremse nicht mehr. Ärger, Schreck, was tun, es ist Sonntag. Was war passiert: Durch das viele Bremsen, war die Bremsflüssigkeit so heiß geworden, dass sie verdampfte und Luft in die Bremsleitungen kam. Als alles abgekühlt war, bremste der Kögel wieder wie zuvor. Zur Sicherheit wollte ich doch in Florenz bleiben, um eventuell am Montag eine Werkstatt zu finden. Aber alles war wieder gut. Und ich war in Florenz.

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