045_Barberino – Der Conte & die Veganerinnen

 

IMG_7831Nach fünf Tagen Florenz ist es genug. Es ist jetzt auch genug Toskana. Ich fahre zu Le in die Emiglia Romana nach Barberino. Sie ist gerade mit der Weinernte fertig. Eigentlich sollte es noch länger gehen, aber bei der Weinernte gibt es keine festen Verträge. 7 Euro die Stunde, sagt Le, das ist doppelt soviel wie in Apulien. Und wenn der Conte sagt, das wars, dann wars das. Dem Conte gehört alles. Das Schloss, die Weinfelder, die Kellerei, alle Häuser im Dorf. Ein altes Haus mit Stallungen hat er an Freunde von Le vermietet. Hier wohnt sie während der Weinernte in einem Zelt mit Blick in die wunderschöne Landschaft.IMG_7827

Die Bewohner des Hauses: Ein Schmied und zwei politisch aktive sympathische Veganerinnen, die sich für Tierschutz und Veganismus einsetzen. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal sympathische Veganerinnen kennenlerne, die sich für Tierschutz und Veganismus einsetzen. Wenn man solchen Frauen in Deutschland begegnete, ergaben sich meist säuerlich verbissene Gespräche und man muss Angst haben, nicht aus versehen etwas inkorrektes zu sagen und sich mit einem Scherz als unverbesserlicher Macho zu outen. In Deutschland haben solche Frauen meist auch noch asymetrische Haarschnitte. In Italien ist das besser, da sind sie sympathisch und hübsch.

Le hat noch einen Bekannten aus Apulien mitgebracht. Hochintelligent und doch ein komischer Heiliger. Lebt das ganze Jahr in Apulien von dem Geld, dass er in 4 bis 6 Wochen Weinernte verdient. Wie das geht? Komplette Einschränkung. Ausstieg aus dem System. Abgelaufene Lebensmittel in Supermärkten sammeln. Alles selbst machen. Er meint, dass ihm Zeit wichtiger ist als Geld. Zeit, die er braucht, das Wasser im Kanister zu seinem Trulli zu tragen. Er braut sich sogar sein Bier selbst, dass er in selbst gesammelte Pfandflaschen füllt und ist davon ganz begeistert. Le meint, das Bier schmeckt schlimm. Der Bekannte hat eine große Festplatte mit guten amerikanischen Serien. Das gehört heute beim Aussteigen zur Grundausstattung. (Witthüser hat übrigens das neueste Apple Mac Book Pro mit Retina Display.) Ich finde es beeindruckend, dass man so leben kann, sogar freiwillig, aber keine erstrebenswerte Sache. Es ist sicher eine ganz praktische Vorbereitung auf den Zusammenbruch des Systems. Aber das ist eindeutig nichts für mich. Ich mag Badewannen, fließend Wasser, Essen im Restaurant und das Gute Leben.

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