049_Urbino – Entarsien & die Wahrheit über die Medici

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Urbino ist auch Weltkulturerbe. Zu Recht. Ein wunderschönes Städtchen mit 10000 Einwohnern und 11000 Studenten. Urbino hatte in der Renaissance seine große Zeit und mehr Einwohner als heute. Es sieht in manchen Ecken aus, wie ein Idealstadt auf Gemälden aus der Renaissance. Raffael kommt aus Urbino. Ein Söldnerführer der Medici hat sich die Burg in der Renaissance zu einem Prachtschloss umgebaut und alles kommen lassen, was gut und teuer ist. Heute ist es ein Museum. Le und ich waren so gut wie die einzigen Besucher. Zwei absolut phantastische Gemälde von Pierro della Francesca hängen hier und noch 10000 andere Kostbarkeiten.

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Söldnerführer war anscheinend ein einträglicher Job. Wir hatten Zeit und kriegten uns im Studienkabinett des Söldnerführers vor Begeisterung überhaupt nicht mehr ein. Alle Dinge im Kabinett, waren als Augentäuscher in Holzentarisien dargestellt. Das war so gut und so clever gemacht. So etwas habe ich noch nie gesehen. Ich frage mich, ob Söldnerführer heutzutage auch die besten Künstler ihrer Zeit engagieren, um sich ihre Villen zu verschönern? Ich bin da nicht so sicher.

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Abends entdecken wir eine großstädtische Studentenkneipe. Als wir gerade gehen wollen – Le hatte fiese Zahnschmerzen – lernen wir einen Wirtschaftshistoriker und einen Archäologen kennen. Der Wirtschaftshistoriker hat zufällig starke Schmerzmittel dabei – danach wird es ein langer Abend. Pete ist genau der Richtige meine Frage zu beantworten: Wie wurden die Medicis überhaupt so reich, und wo ist das Ganze Geld hin? Die Antwort war erstaunlich und beim Geld Einsammeln sehr modern. Die Medicis waren in ihrer Frühphase Mörder und Straßenräuber. 23 von ihnen wurden vor ihrem Aufstieg in Florenz als Verbrecher hingerichtet. Die Medicis haben ihr mit Verbrechen gewonnenes Geld dann wohl erfolgreich gewaschen und sind in die Tuchfabrikation eingestiegen. Und dann in die Finanzierung des Tuchhandels. Ihre verbrecherische Energie haben sie dann weiter im Bankwesen zu vollen Blüte bringen können.

Auf meine Frage, wieso Florenz die Vorherrschaft in der Toskana gewonnen hätte, antwortete Pete mit einem Wort. „Bonds.“ Die Medicis hätten als erstes die Macht von Staatsanleihen erkannt. Mit den Anleihen wetteten die Bürger der Stadt auf den Kriegsgewinn. Die Medicis überfielen die Städte, in denen sie vorher schon ihre Handelsinteressen etabliert hatten und verquickten, genau wie die Politiker heute, private Interessen mit den Staatsämtern. Herr Steinbrück ist ein Waisenknabe, ein Staubwurm, gegen die Medicis. Das ist wohl klar.

Und was ist aus der ganzen geraubten Kohle geworden? Sie haben es verprasst. Pete meinte, was ich in Florenz und hier in Urbino an Kunstschätzen sehen könnte, wäre aus dem Geld der Medici entstanden. Sie haben es einfach für schöne Dinge verprasst, nichts ist übrig. Anders wär es bei den Briten, die mit dem Geld ihres Empire indirekt immer noch die Welt regieren würden. Pete kannte sich da aus, denn seine Familie war eine alte Bankiersfamilie, die in den 1820ern aus Friesland nach England ausgewandert war und von dort weiter in die USA. Er gehörte aber zu dem Familienzweig an, aus dem die schwarzen Schafe kamen.

In Urbino spüre ich den Herbst zum ersten Mal.

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