055_Unterwegs – Friedrich II, Wein II & Gesualdo

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Die Krone Apuliens. Ein Magischer Ort. Eine Burg, die keine ist. Ein geometrisches Monument in perfekter Lage. Ein Symbol, ein Ort der Einweihung, eine prima Filmlocation für den Namen der Rose. Wäre ich Kaiser gewesen, hätte ich auf diesem Hügel auch etwas gebaut. Das ganze Land liegt einem zu Füßen, man kann das Meer sehen. Kein Mensch hat bisher herausgefunden, wozu das Gebäude gut ist und was sich Friedrich II dabei gedacht hat.

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Ich dagegen war keine drei Stunden dort, bin mehrfach durch alle Säle gewandert, habe mir alles ganz genau angeschaut, lange nachgedacht – und – hab auch nicht herausgefunden, wozu die Anlage gut ist. Vielleicht hat es ja der Trupp Wünschelrutengänger und Pendelträger geschafft, der um die Burg lief und bedeutsam herumschaute, pedelte, Schatzkarten studierte und wünschelte.

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Castel del Monte ist ein Zauberort. Das ist klar. Aber weniger mystisch, sondern mathematisch. Keine inbrünstige Kirche, sondern ein Symbol der Logik, eine von klarem Verstand gebaute Anlage. Ein mathematisches Rätsel. Ein kleiner Bruder der Pyramiden. Deshalb macht sich Kastel del Monte auch gut auf Fotos – klare Linien, geometrische Formen, Licht und Schatten.

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Ich hatte das Weinprojekt noch nicht aufgegeben und nach der Übernachtung auf einem Hügel heraus, dass ich nur 100 km nördlich von Gesualdo war. Ein Ort an dem es phantastischen Wein geben sollte: „Der Barolo des Südens.“ soll er gennant werden. Ein schwerer lakritziger Wein, der an einem Vulkan wächst. Leider war Wochenende und es war somit absolut unmöglich, irgendwo ein Weingut zu finden, dass geöffnet hatte. Am Ziel meiner Träume in Gesualdo waren zwar Leute, die Wein verluden, meinten aber, dass ich den Wein am besten im Supermarkt nebenan kaufen sollte. Dafür bin ich also einen Umweg von mehr als 250 Kilometern gefahren, den halben Tag über winzige Landstraßen gegurkt, von denen mein Navi behauptete, das sei der direkete Weg, um Wein im Supermarkt zu kaufen. Ich hatte schon alles eingeladen und stand an der Kasse. Irgendwie würdelos. Was wäre das für eine Geschichte beim Weihnachtsessen. Als die Kassierer im Supermarkt keine Kartons für die 18 Flaschen Wein hatten, nahm ich das als Zeichen, lies alles stehen und ging.

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Gesualdo ist nach dem Komponisten dieser außerirdischen Madrigale benannt. Ein intelligenter, sehr reicher, gut aussehender Adeliger und dann noch musikalisch. Von den besten Lehrern seiner Zeit ausgebildet und mit der schönsten Frau von Neapel verheiratet. Die erwischt er inflagranti mit einem Liebhaber. Den Liebhaber lässt er von Dienern erschießen und aus dem Fenster werfen. Seine Frau tötet er mit einem Dolch. 77 Messerstiche, die bis ins Parkett gehen. Natürlich wird er freigesprochen. Den Rest seines Lebens schwermütig schreibt er Musik von einem anderen Stern.

Irgendwann finde ich dann doch noch ein Dorf, in dem es eine Weinhändlerin gibt, die mir aufschließt. Sie berichtet ganz begeistert von ihrem Wein. Ich freu mich und probier: Es schmeckt schrecklich. Ich kaufe die geöffnete Flasche. Der Barolo des Südens hat mich nicht überzeugt. Vielleicht hab ich einfach Pech gehabt oder bin einfach auf Frankreich eingenordet.

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