064_Bochum – Renovieren & Leben in der Innenstadt

0461 2012_11_04

Wohnungsübergabe in Bochum. Frau Langenbach starb, als ich in Florenz war. Die älteste Mieterin des Hauses. Hatte den Pelzladen im Erdgeschoss 1954 gemietet. Die Wohnung darüber 1968. Der Sohn von Frau Langenbach überlässt mir großzügigerweise die alten Teppiche aber auch die blühenden Geranien. Ein letzter Gruß von Frau Langenbach. Die Wohnung muss komplett renoviert werden und dann neu vermietet. Dafür bin ich zurückgekommen.

Wiedersehen mit meinen Eltern. Heimat. Das Zurückkommen im Zeitalter von E-Mail und Skype ist anders geworden. Das: „Erzähl mal, wie es denn war?“ fällt fast komplett weg, man hat ja zwischen drin schon ausführlich gemailt und geskypt. Sich wiederzusehen und in die Arme zu schließen ist schön. Die vertraute Welt. Ich wohne die längste Zeit am Stück bei meinen Eltern, seit ich mit 19 Jahren ausgezogen bin. Und wir verstehen uns gut.

Die nächsten Wochen organisiere ich die Renovierung der Wohnung in Rekordzeit. Komplett neue Elektrik, Neues Bad (alle warten auf den Klempner, der nicht kommt.) Hier, eine Wand dazu, dort ein Durchgang erweitert. Tapezieren, streichen, fliesen. Ich besorge das Material, telefoniere dem Klempner hinterher, lege die Böden. Wohne im Kögel auf dem Parkplatz um die Ecke und bei meinen Eltern. Alles ist fertig und die Wohnung sieht richtig klasse aus. Die ersten Interessenten, Ingenieur und – wie sie selbst sagt – staatlich diplomierte Bastelschlampe also Grundschullehrerin – sehen die Wohnung, entdecken, dass man einen Gasherd anschließen kann, schauen in den begehbaren Kleiderschrank und sind begeistert. Sie sagen sofort ja, wenn Sie ab dem 15. Dezember einziehen können. Das ist mir ganz recht, da kann ich noch drei Wochen in Bochum wohnen und ausprobieren, wie das ist, wieder im Ruhrgebiet zu sein.

Gestern habe ich gelesen, dass Glamping ein neuer Megatrend ist. Die Kombination von Glamour und Camping. Also unterwegs wohnen, wie Zuhause. Sicherheit in der Ferne, weg vom Chaos der diversen Krisen zuhause. Luxus Camping geht auch umgekehrt. Ich richte mich in der Wohnung mit einem Minimum an Möbeln ein. Es ist ja wie beim Camping nur vorübergehend. Ich habe viel, viel Platz und nur das Nötigste aus dem Keller in die Wohnung geholt. Kein Bild an der Wand. Im Schlafzimmer nur die Matratze, im Wohnzimmer nur mein Lieblingssessel und ein Tischchen. Im Esszimmer Tisch und zwei Stühle. Und aaah. Das Badezimmer mit Badewanne.

Ich merke, dass ich in Bochum schnell sesshaft werden kann. Das Absinth, die Rottstraße runter wird zu meinem Stammlokal, denn es gibt gutes Essen und nette Leute. Ein Haus weiter wird am 1. November die „Postkutsche“ wiedereröffnet und ist auf Anhieb ein Erfolg. Lustiges durcheinander verschiedenster Leute, dazu Fiegepils.

Ich treffe, als ich dort mit Oliver vorbeischaue, Teresa die Placito  wieder. Eine Frau, die Susanna im Sprachkurs kennenlernte und die später auch eine Freundin von mir und Sandy wurde. Bochum hat sich verwandelt, seit ich nach Köln gezogen bin. Das ehemals interessante Bermudadreieck hat – mit Ausnahme des unverwünstlichen Intershop – zu einer Art Düsseldorfer Altstadt im Ruhrgebiet verwandelt. Die Junggesellenabschiede und Hen´s Nights haben dort derart überhand genommen, dass ein Laden, der sich auf cool und szenig versucht, ein Verbotsschild für Junggesellenabschiede ausgehängt hat.

Thomas Bach kommt mich besuchen und wir erkunden die Bochumer Innenstadt, wie Touristen. Die Rottstraße ist das neue Szeneviertel. In einem Laden der R15 heißt und der noch alte Butzenscheiben mit Schlegelreklame hat, bestelle ich aus Spaß zwei Schlegel und bekomme sie anstandslos serviert. Eine schlaue Marketing Agentur hat die Biermarke wiederbelebt.

Mitten in der Innenstadt zu wohnen, mal eben auf die andere Straßenseite in den Supermarkt zu gehen oder beim Brötchen holen einen Abstecher in die Buchhandlung zu machen hat was. Als Vermieter im eigenen Haus wohnen ist zwiespältig. Man ist Nachbar, Respektsperson und Hausmeister gleichzeitig. Keine gute Mischung. Wenn ich nicht da bin, höre ich wochenlang nichts vom Haus. Als ich dort wohnte, konnte ich mich jeden Tag um eine Kleinigkeit kümmern.

Frau Langenbach hatte einen Riesenkeller, den ich nicht wieder vermietet habe. Dort lagern jetzt alle meine Habseligkeiten schön sortiert in 60 Umzugskisten. Der andere Keller ist als Büro für Magum eingerichtet. Hier könnte ich sogar wohnen einige Zeit wohnen: Es ist warm und größer als der Kögel. Aber das lässt sich nicht mit dem Bild vereinbaren, dass ich als Vermieter darstellen muss.

In Bochum zu sein, bedeutet auch Bochumer Freude wieder zu sehen. Olaf und Wiebke zum Abendessen, Harald und Jutta. Das geht so einfach, denn man ist schwupps wieder im Zentrum.

Und es ist gut, wieder im Ruhrgebiet zu sein. Ich mag die Menschen, ich mag die Gegend. Ich glaube nicht, dass es Innenstadt sein muss, aber Ruhrgebiet im allgemeinen ist gut.

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