077_Unterwegs – Solarforschung & Mandelblüten

0605 2013_01_30

Ich breche auf und fahre zur PSA der Platforma Solar Almeria. Das ist eine Forschungseinrichtung, an der seit über 25 Jahren daran geforscht wird, wie man mit Spiegeln und Sonnenlicht Energie erzeugen kann. Im Prinzip geht das so: Man stellt in einer Gegen wie Almeria, wo immer die Sonne brennt, große Spiegel auf, die mit einer Mechanik so ausgerichtet werden, dass sie der Sonne folgen. Die nennt man Heliostaten. Diese Spiegel reflektieren das Licht und bündeln es an einem Punkt. Zum Beispiel auf einem Turm in 30 Meter Höhe. Da wird es dann so heiß, dass man 4cm dicke Stahlplatten in ein paar Sekunden durch schmelzen kann, so wie ein Block Speiseeis mit einem Bunsenbrenner. Tolle Sache.

Ich bin seit Wochen der einzige Besucher. Werde von meiner Führerin zuerst in ein auf etwa 5 Grad runter klimatisiertes Kino gebracht. Draußen gleißt die Sonne, ein richtig heißer Tag. Ich muss zurückgehen, um mir einen Pullover zu holen. Als ich frage, ob die Klimaanlage mit dem Strom der Versuchsanlagen betrieben wird, ernte ich verwirrte Blicke. Nein, der Strom kommt vom örtlichen Stromversorger. Und ich dachte, die forschen hier, wie man Energie aus Sonnenlicht macht. Das tun sie auch. Sie scheinen sich aber in den letzten 25 Jahren mit ein paar anderen Sachen abgelenkt zu haben.

Zum Beispiel haben sie mit diversen Spiegeln ausprobiert, wie heiß es landenden Raumschiffen wird. Oder für die Atomindustrie haben sie irgendwelche Versuche mit sehr großer Hitze unternommen. Dabei scheinen die 150 Mitarbeiter das mit der Sonnenenergie wohl etwas aus den Augen verloren zu haben. Vielleicht hat die Atomindustrie sie mit zu vielen wichtigen Forschungsprojekten abgelenkt. Aber nein, so was würden die doch nie tun, die Leute von der Atomlobby. Die fänden eine Energiequelle, die ewig Strom liefert und nichts kostet, doch bestimmt auch ganz toll.

Die Anlage wird von Deutschland und Spanien betrieben und finanziert. Mir gab man ein Faltblatt auf dem neben dem deutschen Fähnchen steht: „Willkommen im größten europäischen Technologie Zentrum für Forschung und Entwicklung von. “ – Punkt. Was sie nach dem Punkt schreiben sollten, wusste dann wohl niemand zu sagen.

Die Anlage sieht aber gut aus. Überall irre Konstruktionen mit riesen Spiegeln. Manches darf ich nicht fotografieren, ist geheim, da forschen private Firmen. Das finde ich natürlich am interessantesten und mache heimlich Fotos. Manche Apparate könnten direkt als Requisite in „Contact“ als Kommunikationsanlage mit Außerirdischen eingesetzt werden. Ein Parabolspiegel, der mit seiner Hitze direkt einen Sterlingmotor antreibt. Coole Sache. Oder besser: Heiße Sache.

Erst in den letzten Jahren haben sich die PSA Forscher dann doch wieder auf die Energieversorgung besonnen und arbeiten an einfachen überdimensionierten Prabolspiegelrinnen, die sich nach der Sonne ausrichten und die Energie der Sonne auf eine Plexiglasröhre konzentrieren durch die ein schwarzer Schlauch läuft in dem bisher Öl war, das bis zu 400 Grad heiß wurde und dann Wasser verdampfte und damit eine Turbine antrieb. Nach ein paar Jahren Forschung haben sie jetzt herausgefunden, dass man auch Wasser direkt erhitzen kann. Im Moment forschen sie an der schönsten Form für die Halterungen dieser überdimensionierten Rinnen. Ich bin kein Forscher, aber ein bisschen hatte ich schon den Eindruck, dass die Sache im Wesentlichen erforscht ist. Ich kaufte noch einen kleinen Parabolspiegel, mit dem man Zigaretten in der Sonne anzünden kann. Würde ich rauchen, könnte ich den gut gebrauchen. Vielleicht kann ich ja auch Tee damit kochen.

Ich bin gespannt, wann die PSA es schafft, Strom für die eigene Klimaanlage zu produzieren? – Sollte das klappen, glaube ich an die Zukunft dieses Spiegelkabinetts.

Anschließend wollte ich eigentlich als hübschen Kontrast eine Stadt mit Nekropole (Nekropolis de los Millares) besuchen, die schon 2000 vor Christus bewohnt war. Leider ist dort nur vormittags auf. Ich fahre auf der Straße hinter dem ersten Gebirgszug von der Küste aus gesehen (Las Alpujarras) nach Orgiva. Ich habe Glück, denn im Tal blühen die Mandeln. Die Bäume sehen aus, als hätten sie frische Wäsche aufgehängt.

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