081_Santa Fe – Heiße Quellen, Brot & Hundebesitzerinnen

0689 2013_02_07

Ich fahre nach Santa Fe, ein Freund der Kögelkollegen hat mir auf meiner Karte den Weg zu den heißen Quellen eingezeichnet. Mitten in einem Olivenhain, der nach der einen Geschichte von einem Mildtätigen Wohltäter für jede Art von Besucher freigegeben wurde und nach einer anderen Geschichte zwei zerstrittenen Bauern gehört, die sich nicht einigen können, wie man die heißen Quellen vermarktet und deshalb nichts tun, blubbert eine heiße Quelle. Ein Swimmingpool Badeteich, ein paar kleinere Löcher, alle mit 38 Grad heißem etwas schwefeligem Wasser gefüllt. Ringrum Busse von Reisenden, Leute aus Granada oder den Dörfern der Umgebung. Vom Hügel Blick über den Olivenhain auf die schneeweißen Berge der Sierra Nevada.

Die Quellen sind ein Geheimtipp, stehen in keinem Reiseführer. Von Granada auf die Autobahn nach Santa Fe, hinter Santa Fe, die Ausfahrt Flughafen nehmen, an der grün gelben Tankstelle vor dem Flughafen im Kreisverkehr eine 360 Grad Wende machen und dann die erste kleine Straße rechts nehmen, die gleich nach links abbiegt und dann 4km über Land geht. Danach links halten. Irgendwann sieht man auf dem Hügel Wohnmobile und umgebaute Busse. Und wen sehe ich? Die Jungs aus Witten. Vor mir angekommen, haben sie einen Brotofen aus Lehm gebaut und backen leckeres Brot, dass sie an die Passanten verkaufen. Dafür dass sie das erste Mal in ihrem Leben einen Ofen gebaut haben und das erste Mal Brot backen, ist das richtig gut geworden.

Sie finden später noch ein weißes Sofa, dass sie am Lagerfeuer aufstellen. Mit dem Ofen und den Campingstühlen ist es auf einmal wie in einem Wohnzimmer ohne Wände mit Blick auf die Sierra Nevada.

Neben uns steht eine Frau aus Deutschland, die in einem kleinen Lieferwagen mit Hund und Katze unterwegs ist. Für die Katze hat sie das Beifahrerfenster zu einer Katzenklappe umfunktioniert. Mit ihrem Hund ist sie auf du und du. Sie kann gar nicht verstehen, warum ich es nicht so toll finde, dass ihr Hund meinen Teller sauberlecken will. Spart doch Spülmittel. Ich sage ihr, dass ich noch nicht so weit bin und lieber etwas mehr Spüli investiere. Ich glaube auch, dass der Tag noch weit ist, an dem ich es normal finden werde, dass ein Hund, der seine Nase und Zunge in den Arsch anderer Hunde steckt, anschließend mein Geschirr sauber leckt. Aber gut: De gustibus non est disputandum.

Es ist auch erstaunlich, wie viele Hunde in Bussen und Wohnmobilen unterwegs sind. Mit Bussen meine ich die selbst ausgebauten Lieferwagen, Pferdetransporter, etc. Mehr als 50 Prozent der Wohnmobilrentner haben einen Hund dabei. Und ungefähr dreiviertel aller Freaks sind mit Kötern unterwegs. Dazu gibt es dann noch haufenweise einheimische, freilaufende Hunde. Und keiner hat seinen Hund wirklich im Griff. Es wird auf verschiedenen Sprachen rumgebrüllt und die Hunde machen, was sie wollen. Mir ist völlig schleierhaft, warum man so ein Tier mit auf einer Reise dabei haben will. Es stinkt und haart und nimmt Platz weg, der in Wohnmobilen ja meist nicht so üppig vorhanden ist. Der Vorbesitzer meines Kögels schien auch eine Hund zu haben, den er im Cockpit gehalten zu haben scheint. Ich fand überall Hundehaare und noch lange roch es bei nassem Wetter nach feuchtem Hund. Wie Olaf schon sagte: „Eine Welt ohne Hunde, wäre eine bessere Welt.“

Mit den Jungs und der Frau kochen wir am Abend. Ich schmeiße eine Runde Confit de Canard, dass es in großen Dosen zu kaufen gibt. Es gibt heißes Brot. Lagerfeuer sind etwas wunderschönes. Genau wie heiße Bäder. Wunderbar. Leider ist es draußen eiskalt und manchmal windig. Deshalb bleibe ich auch nicht so lange bei den Heißen Quellen. Am Abend vor der Abreise treffe ich noch zwei Kölner, die mit einem umgebauten Pferdetransporter unterwegs sind und in Köln auf er Osterinsel leben. Ein paar Minuten von meinem alten Büro entfernt. Und wir haben natürlich gemeinsame Bekannte.

Mein Entschluss abzufahren wird am Samstagmorgen um 9h40 ganz schnell bekräftigt. Die eigentlich sehr Netten Nachbarn im Pferdelaster scheinen den Verstand verloren zu haben und haben die Musik so laut aufgedreht, dass in meiner Sprudelflasche Wellen zittern. (Erinnert mich an eine Szene aus Jurassic Park.) Die Musik, vor allem die Bässe sind in meinem Auto lauter, als das meine Anlage könnte. Als ich rausgehe, sehe ich, dass es nicht die Kölner sind und auch nicht die nächsten Nachbarn und nicht die übernächsten. Selbst in der 500 Meter entfernten Quelle ist die Musik. – Natürlich nerviger Techno – deutlich zu hören. Als ich abfahre komme ich hinter einem Hügel etwa 300 Meter von meinem Standplatz an einer trägen Technoparty vorbei bei der 10 bis 12 Menschen, die offensichtlich völlig den Verstand verloren haben, fahrig in Tierkostümen herumtanzen. Es ist Karneval.

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