092_Unterwegs – Ferienbrei an der Algarve & Polizei am Strand

0974 2013_03_14

0975 2013_03_14

Ich will nach Portugal, die legendären Strände finden und zur Osterwoche, der Semana Santa wieder in Sevilla sein, deshalb fahre ich ab. Die Algarve ist zu großen Teilen ein Opfer des Massentourismus geworden. Touristische Zombiestädte, die nur für ein paar Monate im Jahr zum Leben erwachen. Das Hinterland ist schön und einsam. Korkeichen und kleine Städte. Ich übernachte in Sao Bras de Alportel.

Ein ruhiges verschlafenes Nest. Zweistöckige Häuser, viel Ruhe, viel Platz. Die Menschen freundlich, etwas verträumt. Es fehlt die spanische Energie. Dafür spürt man die fröhlich verträumte Melancholie, Saudade genannt. Die Dinge laufen, wie sie laufen.

0977 2013_03_15

In den Kneipen sitzen wieder Raucher, die Zeit scheint irgendwo in den 70ern oder 80ern stehengeblieben zu sein. Straßenschilder geben die Entfernung nach Lisboa an. Alte Männer hocken auf Bänken und schauen, was passiert.

0976 2013_03_15

Im Hinterland repariere ich auf einer Waldlichtung meine Wasserleitung. Ein Teerklumpen hat sich im Rückschlagventil verfangen. Um das Problem zu lösen muss ich den gesamten „Keller“ unterm Bett ausräumen. Ein Deja Vu, es sieht in etwa so aus, wie bei der Aktion mit Le in der Toskana, ist aber nicht ganz so schlimm.

Am Abend komme ich in Faro an. Suche nach einem Waschsalon. Die Stadt ist abends so gut wie ausgestorben. Hübsch und leer. Ich finde 20 Euro auf der Straße und freue mich. Am nächsten Tag endlich ein Waschsalon. Waschen, putzen, spülen, Duschen und ich fühle mich wie neugeboren.

0982 2013_03_16

Ein hochgelobter Stellplatz am Praia de Camilo bei Lagos ist fürchterlich. Ich fahre noch in der Nacht an den Rand der Algarve zum Strand von Boca del Rio ganz in der Nähe von Salema. Salema war laut Reiseführer in den 70er und 80er Jahren das Reiseziel für Rucksacktramper und Aussteiger. Heute ist Salema ein gelecktes Urlaubsörtchen mit teuren Cafés. Das ist der Lauf der Dinge.

0983 2013_03_16

Der Strand von Boca del Rio macht Nachts einen schönen Eindruck. Ich finde einen Parkplatz keine 10 Meter vom Meer. Neben mir diverse Wohnmobile. Hier kann ich bleiben, denke ich noch beim Einschlafen.

0990 2013_03_19

0984 2013_03_17

Bis ich dann um halb acht von der Polizei geweckt werde. Die machen eine Razzia und wecken alle Leute, die dort am Strand parken. Das ist nämlich verboten. Der Polizist will meine Papiere sehen, ein anderer fotografiert meinen Kögel. Tagsüber OK, nachts nicht. Verschlafen frage ich den Polizisten, ob man nicht ein Schild hätte aufstellen können? Ja, aber das würde immer wieder abmontiert. Wo ich denn schlafen könnte? Leider nirgends, denn die gesamte Region bis kurz vor Lissabon sei ein Naturpark. Abends müsste man auf Campingplätze oder in die Städte. Hmm, ok. Ich spreche noch etwas von der Freizügigkeit, die ja ein wichtiger Punkt in den europäischen Verträgen sei und davon, dass ich dann wohl nach Spanien zurückfahren werde. Der Polizist ist sehr freundlich und sehr entspannt. Tagsüber kann ich ja erst mal bleiben.

0985 2013_03_17

Selbst der auf peinliche Weise keifende Deutsche, der die Polizisten auf Deutsch Affenärsche nennt, bringt die Polizei nicht aus der Ruhe. Ein paar alte Hasen aus Norddeutschland klären mich auf: Das passiert alle paar Wochen mal. Kein Problem, dann fährt man eine Bucht weiter und alles ist gut. Über die Norddeutschen Freaks – Matthis ist Maler und wohnt seit 4 Jahren in einem sehr schön bemalten Bus, sein Hamburger Freund lebt seit 10 Jahren in einem Sprinter, ist aber erst seit ein paar Monaten in Portugal bekomme ich Zugang zur deutschen Aussteigerszene.

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