100_Sevilla II – Wie ich einmal fast eine Prozession gesehen hätte

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An der letzten  Autobahntankstelle vor Sevilla fülle ich meine Wassertanks auf. – Wo man gut Wasser bekommt ist auch ein interessantes Gesprächsthema unter Wohnmobilreisenden. – Ich komme gegen drei Uhr morgens in Sevilla an und in der Stadt wimmelt es von Menschen, als wäre Schlussverkauf. Die Polizei sperrt Straßen. Viel Getriebe.

Auf „meinem“ Parkplatz an der Ponte de los Remedios ist aber noch viel Platz. Ich kann mich direkt neben den Kögel von Dorothea und Konrad stellen. Ein wild seine Arme schwingender „Gorilla“ weist mich brüllend in den Parkplatz ein. Ich versuche ihm zu zeigen, dass ich eine Rückfahrkamera habe und dass er Baby August wecken wird. Keine Chance. Gorillas wollen auch bezahlt werden. 60 Cent sind ihm zu wenig, das nächst größere Geldstück sind 2 Euro. Dafür bewachen sie angeblich die Autos. (oder machen sie nicht kaputt.) Der angestammte Platzgorilla mit roter Hose, den ich beim letzten Aufenthalt kennenlernte, ist leider nicht da. Der verteilt sogar Parkscheine, die er selbst irgendwo eingekauft hat.

Der Parkplatz liegt direkt am Fluss. Hinter uns, quer zu unseren Kögeln liegt ein Kreuzfahrtschiff. Ich trinke eine Dose portugiesisches Bier gucke vom Bett aus der offenen hinteren Tür aufs Schilf und Kreuzfahrtschiff und freu mich auf die Prozession morgen.

Hätte ich da gewusst, dass zur gleichen Zeit keine 15 Minuten zu Fuß von hier noch prozessioniert, gebüßt und geschleppt wird, wäre ich natürlich hingegangen. Die dramatischen Prozessionen finden in der Nacht AUF Karfreitag statt, nicht an Karfreitag selbst. Das erfahre ich aber erst am nächsten Tag, an dem wegen des Regens alle Prozessionen ausfallen.

Die Ganze Stadt ist auf den Beinen. Alles läuft hin und her, versprengte Büßer mit spitzen Mützen und Gewändern in diversen Farben laufen hin und her oder warten an Ampeln. Büßer gibt es als Kinder und Erwachsene, in Gruppen, die lustig schwatzen. Büßerkinder im Café beim Eisessen. Da ich die Büßer so zum ersten Mal sehe, stellt sich leider nicht das ehrfurchtgebietende Bild ein, das ich mir ausgemalt hatte. Inbrünstig schweigende Spanier in schwarzen Kutten, die Fackeln tragend durch enge Gassen schreiten.

Die Realität sieht anders aus. Es regnet. Alle Prozessionen fallen aus. Die Leute laufen in der Stadt hin und her, in der Hoffnung noch etwas zu sehen.

Als ich endlich zurück laufe legt das Kreuzfahrtschiff ab und Dorotheas Kögel ist auch nicht mehr da. Sie brauchen eine Nacht auf dem Campingplatz. Dusche, Strom, „Civilisation“.

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