104_Unterwegs – Carmona, Cordoba, Baena & Santa Fe, Orgiva, Cabo de Gata revisited

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Von Carmona hat man einen weiten Blick ins Land, das hat schon den alten Römern gut gefallen. Die bauten ein gewaltiges Stadttor, das heute von den kleinen Nachfahren der Römer tapfer verteidigt wird.

Die Altstadt besuche ich zur Siestazeit, dort geht es genau so lebendig zu, wie in der  römischen Nekropole etwas außerhalb der Stadt.

Auf der Suche nach einer neuen 12 Volt Wasserpumpe lerne ich noch ein paar Landwirtschaftsbaumärkte in der Umgebung von Carmona kennen. Ich kann jetzt genug Spanisch, um selbst solche ausgefallenen Dinge zu kommunizieren, wie: „Ich suche eine 12 Volt Wasserpumpe für einen Wassertank in meinem W0hnmobil.“ – Was mir auffällt: Die Leute sind sehr hilfsbereit auch wenn sie nichts verkaufen können versuchen Sie zu helfen.

Im hübschen aber genauso verschlafenen Écija kaufe ich mir endlich einen hydraulischen Wagenheber. Sehr klein, hebt vier Tonnen an und kostet nur 17 Euro.

Abends komme ich in Cordoba an und finde einen guten Parkplatz auf der anderen Seite der Brücke. Der Fluss hat Hochwasser und schießt wild unter der alten Brücke und an einer Wassermühle ohne Wasserrad vorbei. Auf den ersten Blick könnte Cordoba auch irgendwo in Österreich oder Tschechien liegen.

Die Stadt habe ich schnell erkundet. Ein verwinkelter mittelalterlicher Teil und eine Neustadt aus dem 19 Jahrhundert mit Bars und Cafés. Zwischen drin ein römischer Tempel.

Wäre ich 1000 Jahre früher gekommen, wäre ich in einer der angesagtesten und größten Städte Europas gelandet. Weltoffene maurische Herrscher, Ärzte, Philosophen, Kulturaustausch. Ich bin gespannt, was in 1000 Jahren von einer Weltmetropole wie New York übrig bleiben wird? – OK, das werde ich höchstwahrscheinlich nicht erleben, aber wenn New York den Weg von Cordoba geht, wird es dort entspannt und etwas provinziell zugehen. Und man wird sich an die großen Zeiten von vor 1000 Jahren gut erinnern, weil es noch ein richtig cooles Bauwerk gibt, das immer noch steht.

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In Corodba ist das die Mezquita. Von außen ein erst mal unscheinbarer Flachbau, der nur durch die später in die Mitte hinein gebastelte Kathedrale auf sich aufmerksam macht. Für an Kathedralen gewöhnte europäische Augen ist die Mezquita sehr ungewöhnlich. Ein riesiger, rechteckiger, sehr logisch angelegter Bau, ohne eigentliches Zentrum. Flach und Dunkel im Vergleich zu gothischen Kathedralen. Sehr modern, da ohne Bildschmuck und mit sehr wenigen Schnörkeln. Die auffälligen rot-weißen Doppelbögen sind überall zu sehen. Heute würde man so Shoppingcenter bauen. Klar wieder erkennbare Architekturelemente als gebaute Corporate Identity, viel Platz. Dem in alle Richtungen erweiterbarern Bau, merkt man seine 1000 Jahre nicht an. Die Säulen sind sogar noch älter. Die haben die Mauren sich von römischen Tempeln und christlichen Basiliken geholt.

Auch wenn viele schimpfen und es als Frevel verdammen. Es war wohl eine Meisterleistung eine Gotische Kathedrale in die Mezquita einzubauen. Eine Kathedrale ganz ohne Außenwände. Man weiß nicht, wo die Mezquita aufhört und die Kathedrale anfängt. Dazu ist die Kathedrale auch noch gelungen. Viel Licht, klare Formen, sehr schöne Schnitzarbeiten im Chorgestühl und ein paar exzellente Goldschmiedearbeiten in der Schatzkammer. Ohne den „Schutz“ der Kathedrale, hätte man das Bauwerk der Ungläubigen sicher irgendwann dem Erdboden gleichgemacht und die Säulen der alten Römer irgendwo anders verbaut.

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Auf dem Weg Richtung Cabo de Gata komme ich durch Baena und besichtige eine 200 Jahre alte Olivenölfabrik. Einige französische Spitzenköche nennen das Öl von Nunez de Prado das Chateu Yquem des Olivenöls. Das will ich gern glauben, denn die Familie macht seit 200 Jahren Öl, hat 100 000 eigene Bäume, produziert komplett biologisch mit tiptop gepflegten Maschinen aus den 30ern die aussehen, als wären sie aus einem Museum geholt. Der Besitzer führt uns paar Besucher mit Freude durch die Fabrik, die aussieht, wie geleckt.

Am besten ist das „Flor de Aceite“, Öl, dass ohne gepresst zu werden, direkt aus den Oliven herausläuft. Vor den großen Stahltanks machen wir eine Olivenöldegustation. Der Patron macht Scherze und tut so als würde er vom Olivenöl betrunken. Ich kaufe zwei Halbliterflaschen der naturtrüben Blume des Öls zu je 5 Euro. Leider hat Rapunzel das Importmonopol für das Öl in Deutschland. Bin sicher, dass es sich gut verkauft.

Ab Baena kommt die Sonne raus. Über Cordoba hingen noch dicke Wolken im Stil Nordeuropas, aber jetzt endlich ist es warm. Mir wird gesagt, dass Andalusien keinen Frühling kennt. Entweder ist es Winter oder Sommer. Genau so ist es. Als ich noch mal in Santa Fe bei den heißen Quellen Station mache ist Hochsommer. Hier die Aussichten für Cabo de Gata – 🙂

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In Santa Fe sehe ich die Busse von Alina und Christina. Sie haben es also geschafft, den Bus von Christina wieder flott zu machen. Wir verbringen einen Abend am Lagerfeuer mit Chansons von Brassens und Blick auf die Sierra Nevada. Französisch bleibt es am nächsten Tag, wir spielen Boule und Palette, ein Bretonisches Spiel, bei dem man versuchen muss, Metallscheiben möglichst nahe an eine kleine Metallscheibe auf einer Holzpalette zu werfen. Wir baden in den heißen Quellen, reden den ganzen Tag französisch und dösen in der Sonne.

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Am Samstag Abend heißt es dann Orgiva revisited. Ich will zu einer Party von Töni den Dombaumeister in El Morrion. Ich komme rechtzeitig an, aber die Party fällt diese Woche leider aus. Dafür verbringe ich einen sonnigen Sonntag im Garten von Töni und seinen beiden Mitbewohnern.

Töni kommt aus dem Ruhrgebiet und regt sich über die verstrahlten Hippies auf, die sich nie an Vereinbarungen halten. Wir sitzen unter einem alten Olivenbaum und trinken Kaffee und hoffen, dass jemand mit Kuchen vorbeikommt. Später gibts Wein und Snacks. Töni erzählt Dönekes aus dem Hippietal. Abends besucht mich noch die französiche Christine auf Wein und Käse im Kögel. Bevor ich am nächsten Tag abfahre, bewundere ich noch die Domkonstruktion der französichen Zirkustruppe.

Auf dem Weg ans Meer, Blumen am Straßenrand. Am Meer dann ein Ozean aus Plastik, der bis nach Almeria wogt. Nach zweieinhalb Stunden skypen mit meinen Eltern komme ich abends an einem schönen Strand bei Rodalquillar im Cabo de Gata Naturschutzgebiet an.

Ein Sommertag am Strand, ich lese Paul Theroux „An den Gestaden des Mittelmeers“, während das Mittelmeer dabei hinter mir freundlich plätschert. Ich will hier eine gute Woche in der Sonne dösen, Rennrad fahren und lesen. Nach gut 6 Wochen Aprilwetter ist es soweit: Der Sommer ist da!

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