106_Unterwegs – Murcia – Benidorm – Cap San Antoni – Valencia – Geldo – Somport – Grenze

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Murcia ist die Landeshauptstadt der Region Murcia und könnte gut die Partnerstadt von Saarbrücken sein. Ich kenne Saarbrücken zwar nicht, aber so stelle ich es mir dort vor. Es gibt schön mit Geranien bepflanzte öffentliche Grünanlagen, einen Riesenfisch in einem kleinen Flüßchen, eine Brücke an der man Liebesschlösser anbringen kann.

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Es gibt natürlich eine Kathedrale, der man in der Barockzeit eine neue Fassade spendiert hat und in der es keinen Mangel hat, an den bei Christen so beliebten Folterdarstellungen.

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In Murcia gibt es einen Ficus der höher ist als ein 9 Stöckiges Haus. Einen Ficus! Das Pflänzchen, dass sonst in Beamtenbüros vor sich hinkümmert.

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Die Leute sind freundlich und entspannt und doch ein ganz anderer Menschenschlag als die Andalusier. Hier sehe ich zum ersten Mal wirkliche Zeichen der Krise. Eine Warteschlange vor einer Suppenküche.

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Ich bleibe zwei Tage in einer netten Parklücke in einem Wohngebiet auf der anderen Flussseite, da es in Murica freies städisches W-Lan gibt. Erledige Internetsachen und skype mit Freunden und Eltern.

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Volker gibt mir den Tipp, dass es zwei schöne Städte beim Cap San Antoni in der Nähe von Valencia gibt. Auf dem Weg dorthin komme ich durch Gegenden, die vom Tourismus vollkommen verwüstet sind. So stelle ich mir Los Angeles vor. Eine Nationalstraße führt die Küste entlang. Gewerbegebiete: Rechts und links Werkstätten, Autohäuser, Pizzarien, Supermärkte, Möbeldicsounter, Bauruinen. Dann die immer gleichen Mittelmeerwohnsiedlungen. Nichts hat Maß und Stil. Wenn hier die Sonne scheint, ist es bestimmt heiß. Schön wird es nicht.

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In Benidorm habe ich als 3 Jähriger mit meinen Eltern Urlaub gemacht. Und habe ganz allein an der Rezeption auf englisch nach dem Zimmerschlüssel gefragt. „Number Three-O-four.“ Ich meine mich sogar noch daran erinnern zu können. Als ich auf Benidorm zufahre, überlege ich kurz, mir das alte Hotel anzuschauen, entscheide mich dann aber dagegen. Denn wenn ich von der Autobahn in diesen Moloch gefahren wäre, hätte es bestimmt zwei Stunden gebraucht, dort wieder herauszukommen.

So etwas wie Benidorm habe ich an der Küste des Mittelmeeres noch nicht gesehen. In den letzten 40 Jahren haben sie dort dann doch das ein oder andere Haus gebaut. Mir ist vollkommen schleierhaft, wie die Besucher des Ortes im Sommer alle an den Strand passen sollen. Vielleicht werden da ja Wartemarken gezogen. Ich schaue mir Benidorm von der Autobahn aus an. Das reicht mir völlig.

Ich fahre nach Xabia, das auch kein lauschiges Dörfchen ist. – Vielleicht gibt es den idealen Strand ja nur in der eigenen Vorstellung. Auf dem Cabo San Antoni fast beim Leuchtturm übernachte ich mit einem schönen Blick auf Xabia.

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In Denia sehe ich am nächsten Tag zwei coole Autos. Als ich mit 16 in Frankreich war, habe ich mit meinem Austauschschülerkollegen auf einem Privatgelände mit genau so einem Citroen meine ersten Fahrversuche gemacht. Das ist ein Auto, dass sich aufs Wesentliche beschränkt. Das große Rote gefällt mir auch. In Denia leben viele ausgewanderte Deutsche und Englische Rentner. Denia ist wohl auch Fährhafen nach Ibiza, dass ich übers Meer sehen konnte, als ich vom Kap San Antoni herunterfuhr.

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Mich zieht es weiter. Valencia ist nicht mehr weit. Dort gibt es einen schönen Strand in der Stadt. Ich will ein paar Tage bleiben, mich in die Sonne legen, so wie in Cabo de Gata geplant. Der Himmel ist zwar blau, aber es ist kalt und stürmisch. Bis auf ein paar Kitesurfer, die sich über das Wetter freuen, ist niemand am Strand. Abends sehe ich den Mond über dem Meer und mir wird spontan klar. Es ist jetzt genug mit Spanien und dem Mittelmeer.

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Ein gutes Gefühl stellt sich ein, dass man vor 200 Jahren „Wanderlust“ genannt hätte. Und das schöne ist am Reisen mit dem Kögel: Zwischen Entschluss und Aufbruch liegen nicht mal 10 Minuten.

Abends fahre ich aus Valencia heraus auf einer Autobahn, die so nah am Meer entlang führt, dass man selbst im Dunkeln die Wellen über die Uferbefestigung spritzen sieht. Ich habe mich gegen die Strecke über Barcelona entschieden, weil ich mir den Rest der spanischen Küste auch so vorstellen kann und weil die Autobahn über Zaragoza nach Pau kostenlos ist.

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Nach einer Nacht im Dörfchen Geldo an der Autobahn fahre ich einen verregneten Tag lang ohne auszusteigen durch eine flache unspektakuläre Gegend. „Hier möchte man nicht tot überm Zaun hängen,“ fasst meinen Eindruck der Gegend adäquat zusammen. Damit tue ich sicher Teruel, Zaragoza und Huesca gewaltiges Unrecht an und ich verpasse sicher einen ganze Menge Kathedralen und maurische Festungen. Doch ich bin ja nicht verpflichtet objektiv zu sein. Es regnet in einem fort und sieht trist aus.

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Die letzten Kilometer Spaniens werden bergig und schön. Ich tanke noch mal bei Repsol, weil auf der ADAC Website steht, dass Diesel in Frankreich 20 Cent teurer ist. (Stimmt nicht, wenn man bei Supermärkten tankt) Nach ein paar Dörfchen geht es plötzlich in den Autobahntunnel von Somport. Dieser Tunnel will einfach kein Ende nehmen. Als ich nach gut 10 km ans Tageslicht komme, bin ich in Frankreich. Ich mache einen kurzen Stopp, notiere mir die Kilometerzahl: 88739 und lasse Mireille Mathieu die französische Nationalhymne singen. Gut gelaunt fahre ich ins Tal.

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