109_Idaux-Mendy – Käsemachen & Festhängen mit Aussicht

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Ich fahre nach Idaux-Mendy. Von dort hat mir Jean-Michel Armagnague eine Mail geschickt, dass ich beim Käsemachen dabeisein kann. Auf dem Weg dorthin schaue ich mir noch einen Affineur Betrieb an. Eine Frau kümmert sich heir für 10 einzelne Käsehersteller um das fachgerechte Lagern, einreiben und Wenden des Käses. Ihr Lohn für 4 bis 6 Monate Käser einreiben: Einer von 12 Käsen.

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Als ich in Idaux-Mendy ankomme bringt Jean-Michel gerade mit einem Trecker eine drei Meter dicke Rolle Heu in den Stall. Sehr schnell wird klar, dass ich nicht wirklich viel helfen kann, wenn ich weiß nicht wie man Trecker fährt oder eine Melkmaschine bedient. Es ist nicht so idyllisch wie im Maison Priou, aber wesentlich effizienter. Ich darf zusehen, wie die Herde von 350 Tieren vom Feld geholt wird und sich dann artig fürs Melken anstellt. Als die Tür zum Mekstall geöffnet wird, spielen sich unter den Schafen Szenen ab, wie bei der Eröffnung eines Apple Stores. Alle wollen gleichzeitig rein. Der kleine Hund dient als Türsteher und Ordner. Auf Pfiff lässt er die nächste Gruppe rein.

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Die Schafe reihen sich zack-zack-zack nebeneinader auf und fixieren sich durch einen cleveren Mechanismus selbst, wenn sie sich zum Kraftfutter runterbeugen. Dann kommt Jean-Michel und bringt die Saugschläuche an den Eutern an. Den Schafen scheint das insgesamt gut zu gefallen. Nach 5 Minuten sind 36 Schafe gemolken, die Halsfixierung wird für alle geöffent und trab trab trab, gehts zurück in den Stall zu Dinner. Nach einer guten Stunde sind alle Schafe gemolken und 180 Liter Milch im Kühltank.

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Jean-Michel produziert pro Jahr 12 Tonnen Käse. Wie das geht, soll ich am nächsten Morgen sehen. Wir setzen uns noch mit ein paar Besuchern auf einen Wein und ein Stück Käse an den Tisch vor seinem Hof. Ich höre Geschichten über Schafe und das Baskenland. Die Basken wirken auf den ersten Blick sehr störrisch und dickschädelig, aber nach kurzer Zeit merkt man, dass es richtig lustige Leute sind, die sich gern über alles mögliche „beömmeln“ – Das jedenfalls mein Schluss aus den paar Begegnungen mit Basken, die ich hatte. Angenehme Leute.

Jean-Michel sagt mir, dass ich mich mit dem Kögel an einen schönen Platz direkt am Gave (Wildbach) stellen könnte. Einfach beim Stall die Straße rechts, 500 m weiter bis zu einem T- Stück, dann rechts abbiegen. Die Straße ist eine Sackgasse, da kann ich stehenbleiben.

Ich fahre los und wundere mich, dass das T- Stück nicht kommt. Die Straße wird zum Feldweg dann zu einem schlechten Feldweg, dann zu einem sehr schlechten Feldweg mit zwei Spuren mit Gras in der Mitte. Ich muss anhalten und Kröten verscheuchen, die sich mir im Scheinwerferlicht entgegen recken. Immer noch keine T-Kreuzung. Ich fahre noch etwas weiter und sehe: Hier ist Schluss, Sackgasse. Im gleichen Moment rutsche ich von der Wiese in die Spur und bleibe stecken. Die einzige nasse Stelle auf dem ganzen Feldweg. Die Spur ist so tief, dass ich mit dem Erstatzreifen unter dem Kögel aufsetze. AU NEIN! Wie blöd.

Zwei Stunden versuche ich mit sportlichem Ehrgeiz mich selbst aus dem verschlammten Stück zu befreien. Nur 2 Meter zurück und alles ist in Ordnung. Ich probiere es mit meinen Rampen, lege die Gummimatten unter, die im Einstieg rechts und links vorn sind. Ich schaffe es fast einen Meter zurück, dann geht es trotz Matten und Keilen nicht mehr weiter. Mir reich ets. Es ist Mitternacht. Ich bin genervt, verdreckt und will mich nicht riskieren, mich weiter einzugraben. Zum Glück steht das Auto gerade. Ich mach ein Bier auf und Abendessen.

Am nächsten Morgen sehe ich in was für einer schönen Gegend ich stecke. Der Himmel ist für kurze Zeit frei und ich sehe hinter einem satten grünen Feld die schneebedeckten Pyrenäen. Links von mir rauscht die Gave. Ich stecke in einem Idyll. Ich laufe zum Stall und der Onkel von Jean-Michel zieht mich mit dem Trecker ruck zuck die zwei Meter aus dem schlammigen Stück.

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Ich komme noch rechtzeitig zum Käsemachen. Die Sennerin hat den Job vor zwei Wochen von ihrer Vorgängerin übernommen und ist ganz konzentriert bei der Sache. In einer stählernen Badewanne wird die Milch schonend auf 38 Grad erhitzt. Lab wird dazu gegeben und auch ein „Ferment“ eine Mischung guter Käsebakterien. Hier läuft fast alles genau wie im Maison Priou bei Mireille und Marc nur eben 2 Nummern größer. Mireille und Marc sind näher an den Ursprüngen, nutzen selten „Ferment“ und haben auch keinen automatischen Rührer und keine mit Druckluft betriebene Presse. Ach hier wird der Käsebruch von der Molke getrennt, dann in der Wanne schon mal vorgepresst, in Würfeln herausgeschnitten und in die Käseformen gegeben. Hier wird alle 2 Tage Käse gemacht. In der Wanne werden etwa 750 Liter Schafsmilch gerührt. 6 Liter ergeben ein Kilo Käse. Nach 4 Stunden sind die Käse in der Presse.

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Ich fahre Mittags zurück, sehe wo sich die T-Kreuzung in einer Kurve versteckte und finde einen idealen Standplatz direkt am Fluss. Kaum bin ich da, fängt ein Dauerregen an, der 48 Stunden nicht mehr aufhört. Ich will noch schnell die Gummimatten im reißenden Strom vom Schlamm befreien. Ich springe mit den Matten in der Hand auf einen Stein am Flussufer. Dabei rutschen mir die glitschigen Matten aus der Hand und werden von Fluss verschlungen. „Die sind jetzt wirklich den Bach runter.“, denke ich und geh zurück in den Kögel.

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Nachdem ich den ganzen nächsten Tag im Regen gesessen habe, das Internet durchgelesen und eine gute alte 60er Jahre BBC Serie (The Ascent of Man) gesehen habe und das Wetter immer noch nicht besser wird, beschließe ich, den zweiten Tag Käsemachen angucken ausfallen zu lassen und nach Pamplona zu fahren.

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