117_Unterwegs – Magische Orte – Templerschatz, UFO-Dorf & Katharerburg

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Ein verschlafenes Dorf auf einem steilen Berg. Kaum 50 Häuser. Ende des 19. Jahrhunderts kommt der Dorfpfarrer zu unerwartetem Reichtum. Baut sich einen Bibliotheksturm mit Blick übers Tal, hält sich eine mondäne Tänzerin als Freundin. Im Dorf brodelt die Gerüchteküche. Schnell sind alle davon überzeugt, dass der Pfarrer bei der Renovierung der Kirche den Schatz der Templer gefunden hat.

Der Pfarrer klärt die Herkunft des Geldes nie auf und stirbt – wie ich vermute – als glücklicher Mann in den Armen seiner Tänzerin. Seitdem ist Rennes-le-Chateau berühmt. Schatzsucher aus der ganzen Welt kommen seitdem in den Ort, um den Templerschatz zu suchen – oder den Schatz der Westgoten – wie andere meinen. Denn die Westgoten hatten sich auch mal auf diesem Berg verschanzt. Es kommen so viele Schatzsucher, dass Grabungen auf dem Gebiet der Gemeinde seit dem 28. 7. 1965 verboten sind.

Von den Templern ist es nicht weit zu Esotherik. Fernsehsendungen wie Terra X oder ein Buch von Dan Brown in dem das Dorf kommt, tun ihr übriges. Ich komme am späten Nachmittag in Rennes-le-Chateau an und freue mich über den schmalen und wendigen Kögel. Ich kann durch die Gässchen bis ganz nach oben fahren. Parke keine 50 Meter von der berühmten Bibliothek.

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Phantastische Aussicht ins Tal. Im Ort selbst gibt es DREI! esotherische Buchläden. Das einzige Café, dass noch geöffnet scheint, ist heute für eine geschlossene Gesellschaft ein Abendessen von UFO Forschern reserviert. Das ist dann doch ein bisschen viel auf einmal. Ich frage einen der drei Buchhändler, wieso sich UFO Forscher ausgerechnet hier treffen. Ob ich denn nicht wüsste, dass es über dem Pech de Bugarach UFO Sichtungen gegeben hätte. Nein, dass wusste ich nicht. Und Bugarach DAS Dorf – hier ganz in der Nähe – in dem sich letztes Jahr all die Leute versammelt hatten, die glaubten, dass am 21. 21. 2012 die Welt untergeht, weil der Maya Kalender ausläuft. Na toll. Die haben hier in dem Dorf einfach alles, was das Herz des Mystikers erfreut.

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Die UFO Forscher sehen genau so aus, wie UFO Forscher in ameriaknischen Filmen dargestellt werden. Extentrisch/nerdig. Wer hier wen beeinflusst hat, müsste man mal überprüfen.

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Die Leute von Rennes-le-Chateau müssen sich über Ihre Zukunft keine Gedanken machen. Ein Schatz, den angeblich jemand gefunden hat und UFOs, die angeblich jeamand gesehen hat. Wenn das nicht mehr zieht, wird irgendwann ein Ungeheuer im Dorfteich gesichtet. Aber schön ist es hier allein wegen der Aussicht und ja. Es ist ein magischer Ort.

In Rennes-Les-Bains übernachte ich. Hier soll es heiße Quellen geben, die sich aber leider als lauwarm herausstellen. Im Ort ein kleiner Laden. Dort sitzt eine Filmproduktion, die seit über 20 Jahren esotherische Dokumentarfilme dreht.

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In der Telefonzelle hängt ein Plakat das Reklame für Ho´oponopono. Für die, die Ho´oponopono noch nicht kennen. Das wurde schon in ganz alten Zivilisationen benutzt um seinen Geist und seine Seele zu stabilisieren. Der gleiche Referent bietet ein Seminar an in dem er erklärt wie Quantentheorie, DNA und die Erdströme zusammenhängen. Solche Plakate habe ich in anderen Dörfen in Frankreich bisher nicht gesehen.

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Jetzt wird mir auch klar, wieso diese Hysterie um Bugarach ausbrechen konnte. Die kritische Masse war schon da. Auch wirbt das Fremdenverkehrsamt mit den Katharern. Die Region nennt sich immer noch Pays du Cathare. Auf dem Weg zur Katharer Burg von Peyrepertuse komme ich durch Bugarach. Ohne Navi hätte ich es nicht gemerkt. Der Bürgermeister hat wohl aus Verzweifelung das Ortseingangsschild abschrauben lassen. UFO Gläubige finde ich keine. Vielleicht wurden sie ja doch vom Berg abgeholt.

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Was machen eigentlich Weltuntergangspropheten nach dem Stichtag? Sich schämen? Die Realität ignorieren? Einen neuen Termin nennen und hoffen mehr Glück zu haben? Leider war in Burgarach niemand, den ich hätte fragen können. Warum Burgarach? Der Berg vor dem Dorf sieht ein bisschen so aus, wie der Berg aus dem Spielberg Film „Unheimliche Begegnungen der Dritten Art“ – Die Frau mit der Filmfirma meinte, dass es in den Höhlen im Berg noch verstreute Aussteiger geben würde, die auf das oder die UFOs warten. Wenn man bedenkt, was für eine Verspätung die Bundesbahn schon auf der in kosmischen Dimensionen lächerlichen Distanz Köln – Berlin haben kann, müssen sie sich vielleicht noch ein wenig gedulden.

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Der Weg nach Peyrepertuse ist einsam. Die Burg ist eine Fluchtburg auf einem Felsgrat, der ein paar hundert Meter über dem Tal liegt. Diese Burg ist auf jeden Fall ein magischer Ort. Man kann von hier aus am Horizont das Mittelmeer sehen und mit Glück auch die Pyrenäen. Es ist völlig ausgeschlossen zu glauben, dass diese Burg mal irgendwer erobert hätte. Einer der letzten Rückzugsorte der Katherer, die sich hier noch 50? Jahre gegen die Eroberer aus Nordfrankreich behaupten konnten. Ich komme spät an und bin später der einzige Besucher in der Burg. Auch die Burg ist ein magischer Ort.

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