123_La Coutellière – Süßkirschen & Kögelreparatur

1913_2013_06_01

Ich parke neben dem Bahnhof. Es weht ein heftiger Mistralwind. Der Kögel wird durch den Wind hin und hergeschüttelt. Das Auto wackelt so heftig, dass ich mitten in der Nacht aufstehe, um hinter eine Baumgruppe umzuparken. Das mache ich ganz selten. Ich fahre ein paar Meter weiter hinter die Baumgruppe. Rangier nach vorn, nach hinten und wieder nach vorn, um das Auto schön waagerecht stehen zu haben. Auf einmal lässt sich der Gang nicht mehr schalten. Ich drücke den Schaltknopf, aber nichts passiert. Oh nein. Das wird doch wohl nicht die Tastschaltung sein. Ich lege mich schlafen in der Hoffnung, dass es an nächsten Tag wieder geht. Aber nix geht. Der Kögel steht auf P und lässt sich nicht bewegen oder starten. Scheiße! – Und natürlich ist Wochenende. Ich rufe beim der Nummer meines Schutzbriefes an. Ja, man würde mich abschleppen. Ich sag, dass es bis Montag Zeit hat und dass es wahrscheinlich die Tastschaltung ist und dass ich wahrscheinlich eine Mercedeswerkstatt brauchen würde. Und das sich das Auto überhaupt nicht bewegen lasse. Nach ein paar Anrufen und Rückrufen wurde mir ein Abschleppunternehmen organisiert.

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Netterweise meldete sich dann …k. bei mir, den ich übers Internet kenne und der sich sehr gut mit Kögeln auskennt. Mit seiner Hilfe lernte ich mein Auto nach und nach besser kennen. Die Tastschaltung. Ein elektronisches Bauteil, etwa so groß wie ein Autoradio hat eine Platine, die steuert, wann die Automatik schaltet. Über ein dickes Kabel mit 8 Adern werden die Steuerungsbefehle an einen Motor unter dem Sitz gesendet. Dieser Motor hat einen Hebelarm, der an einem Bowdenzug zieht, der zum Automatikgetriebe reicht. Wenn man den Bowdenzug vom Hebelarm des Motors löst, kann man die Gänge auch von Hand einstellen. Super, brauche ich also keinen Abschlepper mit Kran, sondern kann das Auto auch von P auf N stellen.  Da Wochenende ist, schaue ich mich in der Stadt um. Wirklich hübsch. Man kann in schlimmeren Gegenden stranden.

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Ich bastele einen Bambusstab an den Bowdenzug und kann so auch die verschiedenen Gänge von Hand einlegen. In welchem Gang ich bin zeigt netterweise die Tastschaltung noch per Lampe an. Schon viel besser. Wenn alle Stricke reißen, könnte ich so sogar ein Stück fahren.

Ermutigt durchs ks Hilfe per Skype, entschließe ich mich, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Ich „humpele“ mit dem Kögel zu einem schönen Campingplatz. Dort baue ich den Steuerungsmotor aus und zerlege ihn in seine Einzelteile. Wichtig ist es, vor dem Ausbauen die Position des Hebelarms mit einer Linie zu markieren, damit später alles wieder zusammenpasst. Ich lerne, wie man einen Schaltplan liest und sehe, dass der Motor der den Hebel bewegt und die Kupferlitzen, die die Stellung des Arms bestimmen alle in Ordnung sind. Nachdem ich mir alles genau angeschaut habe, bin ich sicher. Der Motor ist es nicht.

Dann wahrscheinlich die teure Tastschaltung. So wie bei Dorothea, die damit richtig lange Probleme hatte und sich das Teil aus Deutschland schicken ließ.

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Auf dem Campingplatz, direkt am Fluss der aus der Fontaine de Vaucluse fließt überlege ich, wie ich denn an die Tastschaltung kommen kann. Denn mir ist völlig klar: Der Postkögel mit der Automatikschaltung ist eine Spezialanfertigung für die Deutsche Post. Von 1994 ! da wird es wohl in Frankreich sicher kein Ersatzteil geben. Alle anderen Mercedes Transporter haben eine normale Schaltung. Denke ich. Ich überlege, wie ich das Teil von Deutschland in die Provence bekomme.

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Als ich im etwa 20km entfernten Cavaillon bei einem Mercedes Lastwagen Händler anrufe und nach dem Teil frage, sagen die: Kein Problem. Haben wir morgen oder übermorgen hier. Ich muss nur nach Cavaillon fahren, um das Teil persönlich zu bestellen. Hier meine Fotos, die ich beim auseinanderbauen der Schaltung und des Motors gemacht habe…

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In der Wartezeit fahre ich Rennrad, schaue mir die Fontaine de Vaucluse an, die ganz in der Nähe ist und kaufe leckere Süßkirschen, die hier gerade reif an den Bäumen hängen. Ich kann sogar einen Tag am Pool liegen. Ah, wie schön. Glück im Unglück. Ich messe noch den Kabelstrang durch. (So etwas kann ich jetzt dank …ks hervorragender Beratung auch… Danke noch mal.)

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Ich bin ziemlich aufgeregt, als ich das 590 Euro teure Teil einbaue. Denn zurückgeben ist bei Ersatzteilen nicht. Ich hoffe, dass ich nix Wichtiges übersehen habe. Ich baue alles wieder zusammen. Und: Irgendwas stimmt nicht. Ich korrigiere die Position des Hebels für den Bowdenzug. Und: Es geht! Ich bin wieder flott. Ich kann fahren, wohin ich will. Nach einer Testfahrt breche ich am nächsten Tag auf.

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Eine Antwort zu “123_La Coutellière – Süßkirschen & Kögelreparatur

  1. Hallo Richard, schön n das alles so gut geklappt hat. Habe auch viel gelernt und danke für die Fotos. Vielleicht sehen wir uns ja mal in realen Leben

    Gruß Dirk

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