140_Berlin – Leute – Das Bansky Projekt, LARP & Schlitzflügelwindmühlen

2223_2013_08_09

Besuche und Gespräche sind in einem Blog ehr schwierig wiederzugeben. Ich wohne ein paar Tage vor der Wohnung von Sebastian und Maria im Tiergarten Viertel. Füttere am Wochenende Mias Zwerghasen, während die Strengers auf Familienbesuch im Ruhrgebiet bin und kann Badewanne und Waschmaschine nutzen.

Sebastian ist Kunstsammler. Leidenschaftlich. Gibt mir den Tipp, die hervorragende Kippenberger Ausstellung im Hamburger Bahnhof zu besuchen und die Ausstellung einer Schwedischen Mystikerin, die Anfang des 20. Jahrhunderts vor allen anderen im Alleingang die Abstrakte Kunst erfunden hat.

2207_2013_08_09

Wir haben beide zusammen Kunstgeschichte studiert und lieben Projekte. Als ich ihm zeigte, dass ich auf der Rückfahrt aus Südfrankreich ein Graffitti auf einer Bushaltestelle gesehen hatte, dass sehr nach Banksy aussah, haben wir einen Nachmittag systematisch überlegt, wie wir die Bushaltestelle in unseren Besitz bringen können. Mit dem Timecode auf meinen Fotos und per Internetrecherche über Google Earth kann ich den genauen Standort der Haltestelle rekonstruieren.

Sebastian schrieb eine E-Mail an das Büro von Banksy, um zu fragen ob das Bild von ihm ist. Die Adresse lautet übrigens. pestcontroldep@banksy.co.uk

Amsterdam

Wäre das Bild von Banksy könnte es gut und gern eine Millionen Euro wert sein. Wir recherchierten nach ähnlichen Bildern, machen Schriftvergleiche, Stilanalyse, ich fragte Silvio, der selbst Steet Artist ist. Wir waren nicht sicher. Aber wir überlegten schon mal, mit welcher glaubwürdigen Geschichte es uns gelingen würde, einem südfranzösichen Dorfbürgermeister eine Bushaltestelle abzukaufen.

Nach einigen Tagen antwortete Pestcontrol: Hi Sebastian and Richard,Thanks for your email, this isn’t by Banksy. All the best – Dean

Schade, ich hatte mich von Sebastian mit den Worten: „Wir sehen uns an der Haltestelle.“ verabschiedet.

Wo wir gerade bei Projekten sind: Mit, Daniel dem Mann von Anja habe ich einen langen Abend ein altes Konzept für ein mobiles Rollenspiel weitergesponnen. Mehr verrate ich nicht, vielleicht wird ja noch was draus. Bei einer Party in Anjas Scherbergarten lerne ich lauter Leute kennen, die zum einen Computernerds und Programmiere sind (in den ensprechenden schwarzen T-Shirts und Kaputzenpullis gekleidet) und die sich zum anderen mit LARPs beschäfigen. LARP ist die Abkürzung für Live Acting Role Play. LARPer treffen sich für ein Wochenende an einem alten Schloss und spielen ein riesiges Rollenspiel, das nach Regeln abläuft, die ich nicht ganz verstanden habe. Aber es muss wohl viel Spaß machen, denn die ganze Party summte mit Geschichten über LARPs. Anja ist Schneiderin und schneidert für diese Anlässe Kostüme. Anja und Daniel überlegen sogar ein Gelände in Brandenburg zu kaufen, um dort ein LARP Zentrum zu etablieren. Viele der Freude von Anja sind in der C-Base engagiert. Was in den 90ern mit einem clever gemachten Kulturscherz begann (ein paar Leute taten sich zusammen und behaupteten, dass unter Berlin eine abgestürzte Raumstation liegt, deren einziges sichtbare Zeichen der Fernsehturm ist) entwickelte sich in ungewöhnliche Richtungen. Die C-Base war Basis für Chaos Computer Club und Piratenpartei. Spiele, die sie für einige Zeit aus der normalen Welt herausheben, scheinen Nerds zu mögen. Ich lerne jemanden kennen, der über einige Monate ununterbrochen „World of Warcraft“ gespielt hat. Er hat gerade das nötigste gegessen und getrunken, nicht gearbeitet, die Räumungsklage seines Vermieters ignoriert und 18 Stunden am Tag World of Warcraft gespielt. Erst als der Internetprovider die Leitung kappte, konnte er sich um die langweilige Gegenwart kümmern und alles in Ordnung bringen. Während er das erzählte, bekam ich noch ein paar ähnliche Geschichten zu hören.

Berlin scheint wirklich eine Stadt für Projektemacher geworden zu sein. Einen Nachmittag besuche ich Achmed Adolf Khammas, einen – tja wie soll man ihn nennen – Visionär und Enzeklopädisten alternativer Energiesysteme.

2239_2013_08_14

Das Buch der Synergie http://www.buch-der-synergie.de/ ist die umfassenste Sammlung alternativer Energieerzeugungssystem, die es gibt. Darüber bin ich auf Herrn Khammas gestoßen.

Er wohnt in Berlin Karlshorst und ist Sohn einer deutschen Frau, die anscheinend glühende Verehrerin des „Führers“ war und eines irakischen Vaters. Daher die Vornamen Achmed Adolf. Achmed Adolf hat jahrelang in Syrien ein Ingenieur Büro betrieben und den Damaszenern Solarthermieanlagen gebaut. Gleichzeitig war er als Hippie Drogen nicht abgeneigt. Diese Mischung aus Kulturen und Welten und sein weiterer Lebensweg, hat etwas Einzigartiges hervorgebracht. Achmed Khammas könnte auch als Hauptfigur in einem Tim Robbins Roman auftreten.

Ich besuchte ihn in seiner Dachwohnung auf eine Tasse Tee und eine Stück Kuchen, dass ich mitbrachte. Daraus wurde ein sehr, sehr langer Abend.  Es ging nur am Rande um meine Frage nach den vertikalachsigen Windrotoren, wegen der ich zu ihm gekommen war. Neben seiner erstaulichen Lebensgeschichte bekam ich erstaunliche, schräge, clevere und unglaubliche Dinge zu hören. Um ehrlich zu sein, ich bin aus Herrn Khammas nicht ganz schlau geworden. Zum einen schreibt er emsig an einem großartigen Nachschlagewerk alternativer Energien, dass einen phantastischen Überblick über die Möglichkeiten der Energiegewinnung gibt, dann aber schreibt er in dieser Enzeklopädie über eine mysteriöse Messias Maschine, die auf eine Art, die ich nicht verstehe eine Verbindung zwischen Religion und Wissenschaft darstellen soll. Soweit ich es in Erinnerung habe, wurde die Messias Maschine wurde von einem Analphabeten in Syrien erfunden und soll mit einem rotierenden Wassereimer die Energieprobleme der Welt lösen. Wer das genauer wissen will – im Buch der Synergie ist die Sache im Detail beschrieben.  Khammas spricht über große und kleine Verschwörungen, die er auch selbst erleben und erleiden durfte. Er spricht darüber, dass er jederzeit für den syrischen Diktator kämpfen wurde, denn die Rebellen seien noch wesentlich schlimmer.

Ich höre vom Schlitzblatt Rotor, eine von Khammas patentierte und mittlerweile freigegebene Erfindung, dieeinen Paradigmenwechsel in der Antriebstechnik, bei Windmühlen, Lüftern und Schiffschrauben bringen soll. Erfunden hat den Schlitzblattflügel ein irakischer Ingenieur in einem Libanesischen Flüchtlingslager. Und Khammas sagt, er habe vor Jahren diverse Beteiligte von Banken und Forschung im Boot gehabt um mit dem Schlitzblattflügel die Welt der Schrauben und Flügel zu revolutionieren. Dann seien die Beteiligten aber durch das Eingreifen einer unbekannten Macht abgesprungen.

Was soll ich dazu sagen? Die Schlitzblatt Technik soll einen wesentlich höheren Wirkungsgrad haben, als herkömmliche Windmühlenflügel. Und die Blätter lassen sich aus einfachen Blechen bauen. Ob der Mann VerRückt ist oder ein Genialer Erfinder, werde ich wissen, wenn ich so eine Windmühle gebaut und getestet habe.  So oder so. Es war ein inspirierender Abend und das Buch der Synergie ist in den Kapiteln, die nicht von der Messias Maschine handeln extrem lesenswert.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s