141_Unterwegs – Potsdam, Beelitz, ZEGG, Coswig, Wittenberg

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In Berlin hat es drei Anläufe gebraucht, um abzufahren. Beim dritten klappte es dann abends. Ich fuhr nach Potsdam. Dort gab es ein großes Feuerwerk mit Konzert im Schlosspark. Die letzten Takte und Raketen bekam ich noch mit. Potsdam ist wirklich sehr preußisch. spartanische Architektur. Sans, Souci wirkt bemüht verschwenderisch. So, als hätte der König mit zusammengekniffen Lippen gesagt: „Wenn es unbedingt sein muss und die Staatsraison es erfordert, dann will ich eben so ein Luxusschloss bauen.“ – An die souveräne Pracht des Originals – Versailles – kommt das Schloss in Potsdam natürlich nicht heran. Die fleißige Windmühle neben dem Schloss ist das bessere Symbol für Preußen. Die Geschichte vom Bauern und vom Windmüller hat mir mein Opa früher gern beim Geigenunterricht erzählt.

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Von Potsdam fahre ich weiter nach Beelitz. Ein extrem spießiger Ort in Brandenburg. Hier hat sich noch nicht herumgesprochen, dass die „DDR“ untergegangen ist. Kein Wunder, wenn man sich abends an der Ecke Friedrich-Engels / Karl-Liebknecht- Straße verabreden kann. Man ist Natürlich Deutsch und hängt sich gern NPD Plakate in die Stadt.

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In dieser hübschen Umgebung liegt das ZEGG. Ein Ort, der auch in meinem Eurotopia Führer verzeichnet ist. Sonntags ist hier Tag der offenen Tür und man wird herumgeführt. Auch hier war gerade Sommercamp. Auch hier wieder eine Gemeinschaft mit diversen Hierarchieebenen, einem inneren Kreis der bestimmt und vielen Anwärtern, die hoffen, irgendwann in diesen inneren Kreis aufgenommen zu werden. Irgendetwas mit freier Liebe sollen sie auch auf dem Programm haben. Aber das war bei dem Nieselregen an dem Sonntag nicht so direkt sichtbar. Auch hier wieder interessante Begründungen dafür, warum es sinnvoll ist für das ZEGG zu arbeiten und dafür nicht bezahlt zu werden.

Auf einem großen Platz dieses ehemaligen DDR Stasi Geländes steht eine große Tafel mit „12 Thesen für eine gewaltfreie Erde“, die ich mir nicht durchgelesen habe. Sprüche, die an DDR Propagandatafeln erinnern, hängen an den Häusern.

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Interessant fand ich, dass auf dem Gelände die DDR Romeo Geheimagentinnen ausgebildet wurden. Ich wäre sehr daran interessiert zu erfahren, ob es in der Gauck Behörde noch Lehrpläne aus dieser Zeit gibt.

Ich übernachte in einem der troslosesten Orte Brandenburgs. Oh, nein ich korrigiere es ist schon wieder Sachsen Anhalt! Reisener, kommst du nach Coswig, lass alle Hoffnung fahren. Der Ort mit dem Traurigsten Freizeitzentrum (wahrscheinlich seit Jahren geschlossen), der schrägsten Schaufensterauslage: (Hackenporsches, Samuraischwerter, Monoskates und beleuchtete Wasserfälle) und Antons Getränkequelle als einzigem sozialem Treffpunkt treibt die Bewohner dazu in dumpfer Verzweifelung ihre Mopeds in Tarnfarben anzumalen. In Coswig hat sogar der Lidl wieder zugemacht!

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Gleich nebendran liegt Wittenberg. Für alle, die nicht evangelisch sind und für die evangelischen erst recht nennt sich Wittenberg wo es nur kann, Lutherstadt Wittenberg. Und, ja. Luther lebte und arbeitete hier. Er bekam nach erfolgreich druchgeführter Reformation sogar ein Kloster geschenkt, weil er der letzte Bewohner war. (Luther war ja mal Mönch) Insofern können Reformationen eine lohnende Angelegenheit sein. Ich habe nicht die Tür an der Kirche zu Wittenberg gefunden an der Luther seine Thesen nicht angeschlagen hat.

Ab davon. Es ist erstaunlich, was dieses verschlafene Städtchen mal für die Welt bedeutet hat. Die Universität von Wittenberg war vor 500 Jahren, das was Stanford heute ist. Diverse Innovationen kamen aus diesem Städtchen. Wittenberg, also die Lutherstadt Wittenberg war vor 500 Jahren „the place to be.“ Auf dem Weg nach Leipzig sehe ich noch eine schöne Bockwindmühle.

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