152_Unterwegs – Trebon – Dolni Dovoriste – Attersee – Salzburg

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Eigentlich wollte ich ja nicht nach Neuhaus, sondern ins schnuckelige Trebon. Ein Städtchen in einer Gegend, die sich Kanada von Tschechien nennet, umgeben von Teichen. Klein und mit alten verwinkelten Gassen. Gut, dass ich in Neuhaus war, denn in Trebon gibt es eine Touristenbimmelbahn. Und das ist immer ein schlechtes Zeichen. Der Ort ist gesetzt als Tagesausflug für US-amerikanische Touristen, die sich Prag anschauen. Trebon ist nach wie vor hübsch, aber vom Tourismus völlig ausgeweidet. In meinen Augen seltsam ist auch, dass in vielen tschechischen Städten direkt vor dem historischen Kern 70er Jahre Wohnblocks stehen. Ohne Rücksicht auf Ästhetik und Verluste. Wenn Trebon schon eine Touristenbimmelbahn hat, dann hat Chesky Krumelov bestimmt einen Bimmelbahn Bahnhof. Selbst das Reisebuch warnt davor, diese Stadt zu besuchen, die von Tagestouristen überquillen soll. Budweis, was in der Nähe liegt, hört sich für mich ein wenig an wie Brünn.

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Spontan beschließe ich, dass es gut ist mit Tschechien. Ein paar Kronen habe ich noch auszugeben – Tschechien ist das dritte Land auf dieser Reise, in dem ich Geld wechseln musste. (Nach Kroatien und Gibraltar) – So schlecht der Euro für Europa ist, fürs Reisen ist er doch bequem. Aber ich vermisse auch, das exotische der anderen Währungen. Man merkte damit, dass man wirklich woanders war. Konnte die ersten Tage nicht wirklich einschätzen, ob etwas billig oder teuer war. Feilschte um die besten Wechselkurse. Überlegte, wie viel Geld man noch für die nächsten Tage brauchte. Nahm Münzen als Souvenir mit. (Und als Reiseleiter hab ich am Geldwechsel für meine lieben Parisgäste auch immer gut verdient.) So war das damals. – Aber keine Sorge, das sehen wir bald wieder. Ich gebe meine letzten Kronen für eine gebogene Kalaschnikow Patronentasche aus Leder aus und für Kaffe und Apfelstudel im Grenzort Dolni Dovoriste, ein trister Grenzort, dessen Puff sich für die Österreicher Pension Club Pamela nennt.

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Ein paar Minuten später bin ich in Österreich. Und auf einmal kann ich wieder mit allen Menschen reden. Einfach so. Auch wenn sie „Grüß Gott“ sagen und „Eierschmarrn“ oder so für Pfifferlinge: Verständigung ist möglich.

Österreich will für 10 Tage Autobahnfahren 8,50 € Maut. Das ist ok, denn der Weg nach Salzburg ist ohne Autobahn 50km und 2 Stunden länger. Die Autobahn ist glatt und frei, ich fahre zügig Richtung Westen. Auf den Österreichischen Autobahnen für Geisterfahrer sehr deutliche Warnschilder aufgestellt. Ich wünschte, dass solche Schilder auch bei wichtigen Lebensentscheidungen auftauchen würden, die man sonst später bereute.

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Ich fahre munter über die Autobahn, höre dabei Nachrichten und Kultursendungen auf Östereich 1 (wie schon auch in Tschechien seit meinem Ausflug ins Waldviertel.) komme durch Linz. Nach und nach wird Österreich so, wie man sich Österreich vorstellt. Bergig und regnerisch. Etwa 50 Kilometer vor Salzburg, fahre ich von der Autobahn zum Attersee. Ein hübscher Bergsee umgeben von zu hübschen Dörfern. Ich esse im Café Restaurant Ingrid einen Schweinebraten mit Pfifferlingen die hier Eierschwammerl heißen oder so. Wo in Deutschland würde jemand ein Restaurant, eine Kneipe oder ein Cafe „Cafe Restaurant Ingrid“ nennen. Ich glaube, das gibt es nur in Österreich.

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Bevor es am nächsten Tag so richtig hübsch losregnet fahre ich mit dem Rennrad die gut 60 Kilomenter um den Attersee. Sehr schön, die Gegend. Wuchtige Bergwände aus grauem Stein mit schwarzen Schlieren drüber, die so aussehen, als hätte man Teer an der Felswand heruntergegossen. Der See türkisblau. Scheint gut geeignet zum Tauchen zu sein. Man kann sich ein Weltkulturerbe ertauchen, denn auf dem Seeboden sind die Reste von 5000 Jahre alten Pfahlbauten zu sehen.  Den Rest des Tages verbringe ich mit Putzen, spülen und kleineren Reparaturen. Ergiebige Niederschläge. Heißt das hier nicht „Schnürlnregen.“ Es prasselt heimelig aufs Kögeldach.

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Am nächsten Morgen weiter nach Salzburg. Habe noch gute Kindheitserinnerung an meinen ersten Östereichbesuch. Es war ein Jahrhundertsommer. Ganz Europa stöhnte unter der Hitze. Wir waren in Belgien am Meer. Perfekte Sommertage. Dann der spontane Entschluss in die Berge nach Österreich zu fahren. Und Östereich war in diesem Sommer das einzige Land in ganz Europa, in dem es regnete. Immerzu. Schnürlnregen. Was mich damals begeisterte war die Burg in Salzburg. Mit Türmen, Zinnen, Zugbrücken und einer Folterkammer. So glaube ich mich zumindest zu erinnern.

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Die Burg hängt auch heute noch ganz prominent über Salzburg. Ich finde einen Parkplatz und buche 2 Stunden Stadtaufenthalt. Das reicht für die Innenstadt völlig aus. Nach Touristenbimmelbahnen sind Pferdedroschken die nächste Eskalationsstufe. Der offizielle Umrechnungskurs ist: 10 Touristenbimmelbahnen sind mit einem Fiakerstand gleichzusetzen, wenn es um die Frage geht, welche Wirkung Tourismus auf ein Stadt hat. In Salzburg gibt es einen großen Fiakerstand. Und Halunken in langen Kutschermänteln schauen in ihre Eifons, während sie auf schusselige Amerikaner warten.

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Ich wollte eine Stadtführung mitmachen. Kam etwas später dazu, als sich die Führerin gerade über das Erzbischhöfliche Palais hermachte. Was ich hörte – und ich hörte gut eine Minute aufmerksam zu – so langweilig, uninspiriert und humorlos, dass ich fürchtete einen kataleptischen Anfall zu bekommen. Zum Glück fing es an zu Regnen, so dass die Führung für die Gruppe, dann doch noch spritzig wurde.

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Salzburg war mal eine wichtige Metropole im Habsburger Reich. Heute dreht sich in der Stadt alles um den Verkauf von Mozartkugeln. Man hat hier sogar im 18. Jahrhundert einen nicht ganz unbekannten Komponisten engagiert, um den Verkauf der Kugeln zu fördern. Mittlerweile hat man auch in Richtung Mozart Badeenten diversifiziert.

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Nachdem ich entdeckte, dass Salzburg die einzige mir bekannte Stadt ist, die Mülltonnen mit Sicherheitsschlössern aufstellt, dachte ich mir: Es ist Zeit, nach Deutschland zurück zu kommen.

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