153_Obersalzberg – 24% & Ideen fürs Führermuseum

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Ein paar Kilometer fährt man über eine grüne Wiese, am Ende der Wiese ist die deutsche Grenze, dann tut sich ein schmales Tal auf und man kommt  zwischen die Berge und fährt entlang eines schäumenden Flüsschens bis nach Berchtesgaden.

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Die Gegend kommt mir sehr bekannt vor. Ich kann mir nicht erklären, woran es liegt, bis ich merke, dass ich jeden Berg, jede Wiese und jeden Hügel aus dem Fernsehen kenne. Man braucht ja nur 10 Minuten im deutschen Fernsehen zu zappen und man stolpert über eine Hitlerdokumentation mit Guido Knopp. Und Guido Knopp Hitlerfilme dürfen nie ohne die Privataufnahmen vom Obersalzberg gezeigt werden. Das ist per Rundfunkstaatsvertrag geregelt.

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Fast hätte ich es nicht auf den Hitlerberg geschafft. Überall werden in Deutschland überflüssige Schilder aufgestellt, nur dass die Straße auf den Obersalzberg an manchen Stellen 24% Steigung hat, das erfährt man erst beim Runterfahren. Aber ich habs geschafft. Mit 82 PS und gut über 2,5 Tonnen Gewicht. Zweimal wäre ich fast stehengeblieben – sehr zur Freude der übermotorisierten aufgeblasenen BMWs in den Serpentinen hinter mir, die ihre überlegene Kraft und Kurvenlage gern hätten „abrufen“ wollen, allein, da war ich vor. Rüstige Rentner hätten ohne ausser Atem zu kommen am Kögel vorbeiwandern können. Ich halte das Gaspedal voll durchgedrückt, ziehe eine Grimasse in der Hoffnung, es nach oben zu schaffen. Umkehren wäre jetzt nicht im Sinne des Führers gewesen.

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Oben angekommen, die Enttäuschung. Nazihausen wurde von den Amerikanern weggesprengt. Bis auf die größenwahnsinnige Bunkeranlage, auf die sie dann ein hübsches Hitlermuseum gebaut haben. Das darf heute natürlich nicht so heißen, es heißt „Ort der Erinnerung“ oder wie so ein Museum eben heute heißen muss, ist aber trotzdem ein waschechtes Hitlermuseum. Nach der obligatorischen Geisterbahn mit Erhängten, aufgestapelten Toten und Erschießungskomandos kommt man in eine Ausstellung, die den Führer privat zeigt.

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Das Problem, dass viele Ausstellungsmacher immer noch nicht erkannt haben: Nazipropaganda wirkt. Auch wenn man kleine Täfelchen daneben hängt, in denen beschrieben wird, wie schlimm Nazipropaganda war. Spätestens wenn man sich anschließend die gigantischen Tunnelanlagen anschaut und den phantastischen Blick übers Land hat, dann muss man schon gut aufpassen, dass man nicht die Unterlippe nach vorn schiebt und anerkennend nickt.

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Das Problem dieser Ausstellungen: Sie sind zu ernsthaft. Die von den Nazis gewollte Weihehaftigkeit und Gewichtigkeit verschwistert sich mit der Weihehaftigkeit der „Betroffenheit“. Das kann schnell auf die falsche Seite umschlagen. Vor allem wenn das Hiltermuseum auch noch eine CD mit gesammelten Reden des Führers und seiner Crew verkauft.

http://www.obersalzberg.de/shop.html?&tx_ttproducts_pi1%5BbackPID%5D=11&tx_ttproducts_pi1%5Bproduct%5D=3&cHash=68279d97a7

Da einzige wirksame Gegenmittel gegen den Führerkult wider Willen ist: Sich drüber lustig machen. Nazis verarschen und mit einem herzhaften Lachen diese aufgeblasenen Kleinbürger in ihren braunen Hosen der Lächerlichkeit preisgeben. Aber vielleicht braucht es für diesen Ansatz noch ein paar Jahre. Mal ehrlich, gerade hier, beim Führer privat, drängt sich das doch geradezu auf: Man schaue nur mal auf dieses peinliche Familienfoto. Der Fühhhrrrrhhher hat sich verschluckt und Eva Braun hängt das Essen aus dem Mund. So etwas würden karrierebewusste Jugendliche heute ja nicht mal mehr auf Facebook posten.

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Ein ähnlich blödes Bild (das ich leider nicht abfotografiert habe, hier aber ein ähnlicher Link) gibt es noch vom Führer beim Veggie Day – das hieß damals Eintopfsonntag – war aber genau das gleiche. Tja, Herr Trittin, geben sie es doch zu – wer hats erfunden?

http://einestages.spiegel.de/static/entry/todesangst_bei_jedem_bissen/108069/der_erste_eintopf_sonntag.html

Hier ein paar weitere Vorschläge, die man einfach umsetzen könnte:

 

So, liebe Gedenkstättenmacher macht man das. Aber ich kann mich ja nicht um alles kümmern. Und eine Sache noch, liebe Ausstellungskuratoren. Es kann auch nach hinten losgehen, wenn die Leute die ausgestellte Hitlerzeitung von 1922 etwas genauer lesen. Da steht neben der Ankündigung einer Hitlerrede im Hotel Watzmann ein Bekanntmachung der Stadt: Die Kosten für Fuhrwerksvisitationen (heute TÜV Prüfung) werden für einen Einspänner auf 10 000 Mark gesetzt. Liebe Ausstellungskuratoren: Wie viele Leute würden heute Hitler zum Kanzler wählen, wenn der TÜV 10 000 Euro kosten würde?

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