155 Kufstein – Geschmückte Kühe, Berge & Herr Huber

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Markus, Manu und Marlon, bekannt auch als die M&Ms haben sich in Kufstein niedergelassen. Die Fahrt durch idyllische Berge ein paarmal zwischen Österreich und Deutschland wechselnd bringt mich von Reichenhall nach Kufstein. Die M&Ms wohnen direkt am Waldrand, dort wo die Wanderwege in den wilden Kaiser anfangen und direkt an der Innenstadt. Das ist möglich, weil Kufstein so klein ist.

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Ich bin gerade zur rechten Zeit nach Kufstein gekommen, genau zum jährlichen Alm Abtrieb. Bei dieser Aktion wird die Innenstadt abgesperrt, werden Kühe und Bäuerinnen geschmückt und durch die Stadt getrieben. Markus, der sich in Österreich und in den Bergen wohl und entspannt fühlt, fremdelte noch mit den lokalen Traditionen und meinte, das mit dem Almabtrieb wäre doch einfach zu klischeehaft. Und so wollte er lieber mit der Solartankstelle, als mit den geschmückten Kühen fotografiert werden.

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Wir spazieren bei schönster Sonne durch die Stadt, sehen drollige Werbeschilder und bringen gerade noch rechtzeitig unsere Wahlzettel für die Briefwahl über die Grenze nach Deutschland zum Briefkasten. Die Wahl guckten wir später im Fernsehen an, nachdem wir eine Wanderung auf den Pendling gemacht haben. Von oben haben wir einen schönen Blick auf den Großglockner und diverse andere Berge. Zum Ausblick gibt es Weizenbier und Suppe in einer typischen Almhütte.

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Alle meine Vorurteile über die spießigen Österreicher werden bestätigt, als ich eine Nachricht von Herrn Huber an meiner Windschutzscheibe finde. Herr Huber arbeitet bei der Stadtpolizei Kufstein und wurde von den Anwohnern gerufen, weil mein Kögel verdächtig geparkt war. Geradezu auffällig – zumindest für Österreicher. Denn der Kögel stand, wie schon so oft auf dieser Reise am Straßenrand. Am Straßenrand einer kleinen Straße, die 200 Meter später in einen Waldweg überging. In Österreich darf man aber nicht am Straßenrad parken, solange nicht zwei Fahrspuren frei sind. Parkverbotschilder braucht es dafür nicht. Zwar hätte an mir problemlos ein 30-Tonner mit Anhänger vorbeifahren können, um zu den letzten beiden Häusern vorm Waldweg zu kommen, aber das zählt hier nicht.

Strafzettel kann man in Österreich nicht einfach überweisen. Man muss innerhalb von 3 Tagen in der Dienststelle erscheinen und eine sogenannte „Organmandatsstrafe“ zahlen. Was auch immer das ist. Ich regte mich dann ein paar Stunden über die spießigen Österreicher auf; vor meinem inneren Auge nahm das fiese Bild von Wachtmeister Huber Gestalt an. Den „Sachverhalt“ konnte ich nicht gleich klären, denn es war ja Almabtrieb und damit war die gesamte Polizei Kufsteins beschäftigt. Das erinnerte mich dann doch sehr an die Polizei von Hengasch in meiner Lieblingsserie „Mord mit Aussicht“.

Am Telefon hatte ich dann immerhin schon erfahren, dass mich die Nachbarn verpetzt hatten. Die Polizei wähnte mich dann in den Bergen verschollen und hatte eine Anfrage nach mir in Deutschland gestartet, ob ich vielleicht vermisst gemeldet sei. Ein „Akt“ sei angelegt und damit könnte man die Sache nicht einfach am Telefon aus der Welt schaffen. Ui, ui, anscheinend hat die Polizei in Kufstein nicht viel zu tun – außer es ist gerade Almabtrieb – wenn man für Autos, die am Straßenrand parken gleich einen „Akt“ anlegt und über den Verbleib des Fahrers Nachforschungen im Nachbarland anstellt.

Herr Huber meinte dann am Telefon, dass das doch bestimmt in Deutschland auch so wäre, dass man nicht am Straßenrand parken dürfte. – „Doch, in Deutschland dürfen wir das!“ zu antworten war sicher nicht klug, auch wenn es die Wahrheit ist. Das wäre einfach typisch Piefke. In den nächsten Tagen sehe ich überall österreichische Autos unbehelligt am Straßenrand parken. Die Fotos, die ich von diesen Autos mache, stelle ich nicht in den Blog, das ist mir jetzt zu peinlich. Ärger sucht sich manchmal die blödesten Anlässe. Mit viel Groll und Vorurteilen kam ich nach dem Großereignis Almabtrieb am nächsten Abend zu meinem Treffen mit Herrn Huber. Und – Herr Huber war NETT. Er meinte: „So ist das eben und ich erlasse Ihnen die Strafe nicht, sind ja auch nur 20 Euro.“ – Ich frage, ob er denn alle anderen An-der-Straße-Parker bestrafen würde? „Ja, falls es jemand anzeigt, dann sicher.“ – Ich hätte jetzt halb Kufstein anzeigen können, aber hey, ich hatte meinen großzügigen Tag und ich hab ihm meine Fotos nicht gezeigt.

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Nachtrag: Markus meinte, dass Kufstein in diesem Eintrag schlecht weg käme. Das war nicht meine Absicht. Ich wollte zeigen, wie es ist, wenn man sich selbst in den eigenen Ärger einwickelt. Selbst wenn man „im Recht“ ist oder sich im Recht glaubt, sind die Kosten, die Ärger auslöst oft höher als der Gewinn, den das Rechthaben einem bringt. Das Problem bei mir ist, wenn ich den Ball einmal geschnappt habe, fällt es mir schwer ihn wieder wegzulegen. Und hätte ich mich nicht so ausführlich über meine Erfahrungen mit Herrn Huber geärgert und darüber geschrieben, wäre ich sicher noch dazu gekommen, mehr darüber zu schreiben, dass die Tiroler kernige Leute sind und dass Kufstein in einer Bilderbuchberglandschaft liegt. Die M&Ms gehen aus der Tür und sind im Urlaub. Wir anderen müssen erst tagelang hinfahren – und dann noch einen Parkplatz finden. 😉

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