156 – Liechtenstein – Ruhig & reich

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Meine österreichische Autobahnvingette ist noch zwei Tage gültig, deshalb ist es am besten quer durch Österreich und die Schweiz zu fahren, wenn man nach Konstanz will. Die Strecke ist schön, sonnig und rechts und links stehen Berge herum. Für einen Augenblick durchzuckt mich Fernweh, als ich das Schild „Italien – Brenner“ sehe. Was wäre, wenn ich nicht nach Norden, sondern einfach wieder nach Italien, wie im ersten Teil der Reise fahren würde? Ich bleibe standhaft und mache einen Abstecher nach Liechtenstein, nachdem ich über traumschöne Bergpässe gefahren bin, um Tunnelmaut zu sparen.

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Es ist immer wieder erstaunlich, wie sich Dinge vor und nach Grenzen ändern. Selbst bei den kleinsten Ländern ist der Unterschied klar zu spüren oder gerade bei den kleinsten Ländern. Liechtenstein ist ein Land, in dem sich selbst die Schweizer arm fühlen können. Liechtenstein erfüllt zuverlässig alle seine Klischees. Ein Land mit nicht mal 37000 Einwohnern, das mehr Banken als Bushaltestellen hat. Am Stadtrand von Vaduz sehe ich Werbung für einen Lehrgang im Trustrecht. In der Stadt – es ist nach Schalterschluss – ist es sehr sehr ruhig. Von überall kann man die Burg des Fürsten sehen, der hier anscheinend immer noch das Sagen hat.

Vielleicht geht es dem Land so gut, weil es schon 1868 das Militär abgeschafft hat oder weil Frauen erst seit 20 Jahren wählen dürfen. Wer weiß das schon? Oder ist das Land so reich, weil es Milliarden von Schwarzgeld verwaltet? Kann auch sein. Jedenfalls bleibt genug Geld für Kunst und Architektur. Kleines Detail am Rande: In jeder anderen europäischen Stadt wären die Alu-Designcafé-Stühle vor dem geschlossenen Börsencafé angekettet oder weg. Hier nicht.  Und in Liechtenstein fällt mir ein, was ich gern demnächst beruflich machen würde: Ich wäre gerne der Konsul von Monaco in Liechtenstein. Das hört sich zwar nach sehr anstrengender Arbeit an, aber ich würde es trotzdem gern tun.

Ich laufe in einer guten Stunde zweimal durch alle Straßen von Vaduz, plündere den gut ausgestatteten Gratis Bücherschrank aus Edelstahl vor der Bibliothek und mache mich auf den Weg zurück nach Österreich. Ich übernachte in Vorarlberg direkt an der Grenze zur Schweiz. Am nächsten morgen spreche ich mit einem freundlichen Kollegen von Herrn Huber. Ich habe auf einem Parkplatz mit einer blauen Linie am Rand übernachtet. Das heißt: Zahlen oder schnell wegfahren. Mein Problem. Nachts sah die Linie unter den gelben Straßenlaternen nicht wirklich blau aus. Aber der Kollege von Herrn Huber ist nett und meint. „Ach bleiben Sie ruhig noch ein Stündchen, kein Problem.“ So sind sie, die Österreicher.  Durch die Schweiz geht es entlang des Bodensees nach Konstanz.

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