158_Schweiz – Kleine Unterschiede & ängstliche Schweizer

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In der Schweiz besuche ich in der Nähe von Winterthur eine alte Bekannte. Natascha habe ich vor Jahren auf Kreta kennengelernt. Sie hat mich einmal in Köln besucht und seither haben wir in großen Abständen immer mal wieder auf Skype unterhalten. Natascha wohnt jetzt in einem Dörflein in der Nähe von Winterthur in einer alten Mühle.

Auf der Fahrt durch die Schweiz nach Konstanz habe ich viele Antikläden gesehen und für wenige Franken zwei alte Wäschekörbe aus Weidengeflecht und eine alte Öllampe gekauft. Ich stöbere durch die Antikläden und wundere mich über die kleinen Besonderheiten der Schweiz. Besonders gut gefällt mir die eigenwillige Art der Werbung. Das Schweizerhähnchen gefällt mir da am besten. Auch kennen wir in Deutschland keinen Kehrrichtsammelplatz, keine Natels und eine Waffensammelaktion habe ich im großen nördlichen Kanton auch noch nicht gesehen.  Außerdem malen Schweizer ihre Straßen gern bunt an und erschrecken Autofahrer mit tieffliegenden Düsenjägern, die auf den zweiten Blick Deko für den Kreisverkehr sind.

Auch die Schweiz tut vieles, um die Klischees, die man von der Schweiz hat, zu erfüllen. In der Schweiz ist es wirklich sehr ordentlich – das finde ich angenehm – und in der Schweiz ist viel „Verboten“ oder „Privat“ – das finde ich nicht so angenehm, denn so ist es selbst in kleinen Dörfchen schwierig einen Parkplatz zu finden. Es sind immer Erlebnissplitter, aus denen man sich das Bild eines Landes macht. Und mir schienen die wenigen freilaufenden Schweizer, denen ich begegnete überängstlich. Hier ist alles reich und sicher und objektiv gibt es seit 100 Jahren keine großen Probleme mehr. Beide Weltkriege haben die Schweizer verpasst, die Gegend ist sehr hübsch und man merkt auch, dass hier fleißige Leute wohnen. Doch was machen die Schweizer mit dem ganzen Glück? Statt sich entspannt und jovial zurückzulehnen, machen sie sich hasenherzig Angst und Sorgen.

Im Dorf finde ich endlich einen ebenen Parkplatz auf dem nicht „Privat“ oder „Verboten“ steht. Hier wurde vor kurzem ein Haus abgerissen, da hat man wohl die Schilder mitgenommen. – Ich steh auf einer Ecke der abgeräumten Baustelle, bin sicher dass ich niemanden störe. Ich frage einen Passanten, ob ich hier stehenbleiben könnte und er antwortet: „Mit Sicherheit nicht, das ist verboten, das ist eine Baustelle, das ist privat.“ – Ich bitte um Entschuldigung, dass ich auf seinem Grundstück parke, er aber meint, dass es ihm ja nicht gehöre und es ihn ja auch nichts anginge, aber verboten wäre es bestimmt da zu parken. Und da kämen bestimmt morgen die Bagger und es würde schnell ein Haus gebaut. Der Schweizer macht sich wie gesagtt gern Sorgen. Ich sag ihm, dass ich, falls morgen wirklich gleich der Bagger kommt, ja schnell wegfahren könnte und dass ich leider in dieser bergigen Gegend sonst keinen Parkplatz finden würde – er schaut mich an als wäre ich ein verwegener Räuber aus dem Wald. Da ich ja jetzt schon den ein oder anderen Übernachtungsplatz in Europa gesucht habe, kann ich guten Gewissens sagen. Der Rest von Europa ist – mit Ausnahme der besorgten Bürger Kufsteins – entspannter. Am nächsten Morgen gebe ich dem Dorf ein Gesprächsthema für die nächsten Wochen: Ich hole das Wasser für meinen Tee aus dem Dorfbrunnen.

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